Hier finden Sie aktuelle Artikel

Am 21. Oktober 2018 beginnt das neue Programm 2018/19, das wieder aktuelle, gesellschaftspolitische Themen näher betrachten möchte, wozu wir herzlich einladen. Wir hoffen, dass wir auch im 19ten Jahr des Bestehens viele interessierte Zuhöhrer begrüßen können.

Das letzte Programm 2017/18, in dem zwei Veranstaltungen wegen Krankheit leider abgesagt werden mussten, besuchten im Schnitt etwa 50 Personen jede Matinee.

Im Archiv können Sie alle Themen und Referenten des TQT seit 2001 erfahren; seit 2006 sind auch die Inhalte der Matineen archiviert.

Gäste, die sich für den E-Mail-Service angemeldet haben und Mitglieder, werden vor jeder Veranstaltung entsprechend informiert.

Und hier Verweise zu weiteren aktuellen Artikeln:

Die Kriterien zur Themenwahl für Matineen
Das Programm 2018/19
Die nächste Matinee am 09. 12. 2018: Ohne Waffen - Zivil gegen Krieg und Gewalt
Mitgliederversammlung vom 11.10 2018
Rückblick Matinee Karl Marx zum 200. Geburtstag
● Ein Rückblick zur Matinee "Ist Gott noch zu retten" wird bald erscheinen
18 Jahre TQT und 12 Jahre TQT e.V.
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Mitglied des TQT werden . Sie könnten so helfen, den Ideenreichtum und die Unabhängigkeit des Vereins zu fördern und zu sichern.



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Kriterien zur Themenwahl

Bei der Themenwahl folgt das TQT bezüglich der Inhalte grundsätzlich diesen Bereichen:

● Kirche und Theologie
● Frieden (Initiativen / Politik)
● Gesellschaftsentwicklung
● andere Religionen, Weltanschauungen
● Naturwissenschaften
● Humanwissenschaften
● Kunst und Humor

und für alle Themen gilt:

● die Betrachtung ethischer und christlicher Grundsätze

Wir vom TQT freuen uns, wenn Sie die eine oder andere Matinee interessiert und hoffen auf ein Wiedersehen zum Programm 2018/19.

Wie in den vergangenen Jahren erhalten Sie - falls Sie sich für den TQT-Service entschieden haben - etwa eine Woche vor jeder Veranstaltung eine E-Mail mit der Ankündigung und einer Kurzinformation.



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Das Programm 2018/19

Die Tabelle zeigt im Überblick die sechs Matineen des Programms 2018/2019 und im Anschluss weitere Termine.



Die Sonntagsmatineen

Datum Matinee-Titel Referent
21. Oktober 2018 Karl Marx zum 200. Geburtstag: Seine Kapitalismuskritik zu studieren lohnt sich Prof. Dr. Rudolf Hickel, Bremen
18. November 2018 Ist Gott noch zu retten? Detlef Hein, Wittlich
09. Dezember 2018 Ohne Waffen - Zivil gegen Krieg und Gewalt Dr. Christine Schweitzer, Hamburg
13. Januar 2019 Islam in der Krise - Eine Weltreligion zwischen Radikalisierung und stillem Rückzug Dr. Michael Blume, Stuttgart
17. Februar 2019 Lasst uns Menschen machen Prof. Dr. Thomas Weißer, Bamberg
17. März 2019 Nachhaltige Entwicklung - Ethisches Prinzip und politische Strategie Dr. Albert Statz, Berlin


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Die nächste Matinee: 09.12.2018

Dr. Christine Schweitzer, Hamburg:

Ohne Waffen –
Zivil gegen Krieg und Gewalt

Christine Schweitzer
arbeitet beim Bund für Soziale Verteidigung und beim Institut für Friedensarbeit und gewaltfreie Konfliktaustragung. Sie hat vielfach zu Themen der Zivilen Konfliktbearbeitung und Gewaltfreiheit publiziert.


Die USA und Nordkorea bedrohen sich gegenseitig mit Atomwaffen. In Osteuropa, China und vielen anderen Ländern wird aufgerüstet. Die NATO verlangt von ihren Mitgliedern, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Rüstung auszugeben. Das Vertrauen in die Macht der Waffen droht, die Welt in den Abgrund zu stürzen.

Neuen Untersuchungen zufolge ist ziviler Widerstand doppelt so oft erfolgreich wie gewaltsamer. Ein Sonderfall ist die sogenannte Soziale Verteidigung: der gewaltfreie Widerstand gegen militärische Angriffe und Putsche. Hierzu gibt es neue Beispiele.

Wie die Arbeit von Nonviolent Peaceforce und ähnlichen Organisationen beweist, kann die Zivilbevölkerung in Kriegsgebieten effektiv ohne Waffen geschützt werden.

Es ist Zeit umzudenken. Immer noch wird unterschätzt, welche Macht von gewaltfreiem Umgang mit Konflikten ausgehen kann.

Im Vortrag sollen die Grundgedanken gewaltfreien Handelns vorgestellt und seine Erfolge an verschiedenen Vorgehensweisen beschrieben werden.



Termin ungünstig?

Kein Problem:
Unser Kooperationspartner, die Autobahnkirche St. Paul in Wittlich (www.autobahnkirche-stpaul.de), bietet im Rahmen ihrer Samstagabendgespräche um 18 Uhr die gleiche Veranstaltung am Samstag zuvor an.



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Mitgliederversammlung vom 11.10.2018

Eine Mitgliederversammlung findet in jedem Jahr im Oktoner statt. Alle zwei Jahre muss der Vorstand neu gewählt werden; das war bei dieser Mitgliederversammlung der Fall.

Zwei Vorstandsmitglieder verlassen den Vorstand; die jetzige Zusammensezung des Vorstandes finden Sie HIER (Zusammensetzung).

Ein zusammenfassender Bericht wird an dieser Stelle veröffentlicht, sobald er erstellt ist.



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Rückblick: Karl Marx zum 200. Geburtstag

Matinee am 21. Oktober 2018 mit Prof. Dr. Rudolf Hickel, Bremen:

Karl Marx zum 200. Geburtstag:
Seine Kapitalismuskritik zu studieren lohnt

(Bericht von Norbert Bogerts)

Prof. Dr. Hickel leitete den Lehrstuhl „Politische Ökonomie“ an der Universität Bremen; eine Disziplin, die es heute – wie er sagt - nicht mehr gibt, da der Lehrstuhl jetzt „Neue Politische Ökonomie“ heißt. Diese „neuen“ Ökonomen sehen den Staat im Gegensatz zum Markt als kontraproduktiven Geldverschwender. Zu diesem Problemkreis existiert ein großes Defizit an Universitäten und in den Medien.

Der 14.9.1867 war ein wichtiges Datum: Es erschien Band 1 des „Kapitals“: „Das Kapital – Kritik der politischen Ökonomie: Erster Band: Der Produktionsprozess des Kapitals“. Karl Marx hatte daran 40 Jahre gearbeitet. Nach Engels ist dieser Band „die Bibel der Arbeit“. Engels hat nicht nur die Bände 2 und 3 nach Marxens Tod bearbeitet und herausgegeben, sondern auch schon am ersten Band mitgearbeitet. Es gibt diesen ersten Band in unterschiedlichen Textausgaben; die neueste und beste ist 2007 von Thomas Kuczynski bearbeitet und herausgegeben worden. Aber wer hat schon die drei Bände gelesen? Die allermeisten nicht; allenfalls bis S. 95 des ersten Bandes der MEW; dennoch hat dieses Werk die Welt verändert und es wurde in vielen Varianten interpretiert. In der DDR z.B. wurden Historischer und Dialektischer Materialismus systemtreu interpretiert. Aber den Untertitel „Kritik der politischen Ökonomie“ darf niemand übersehen.

Marx hat viele Ökonomen studiert (u.a. Malthus, Ricardo, Adam Smith). Allerdings ist er arrogant und hart mit anderen Analysten des aufstrebenden Kapitalismus umgegangen. Für ihn waren das „Vulgärökonomen“ (z.B Jean-Baptiste Say [1767bis 1832], französischer Ökonom, Vertreter der klassischen Nationalökonomie). Auch heutige „Vulgärökonomen“, auch als „Harmonisten“ bezeichnet, predigen die Selbstheilungskräfte des Marktes, halten Krisen deshalb eigentlich für ausgeschlossen, oder wenn es mal welche gibt, seien sie durch Einwirkungen von außen, z. B. der Gewerkschaften, verursacht. Zu den Vulgärökonomen gehören z. B. Milton Friedman (1912 – 2006; zusammen mit Friedrich August von Hayek Wegbereiter und Meisterdenker des Neoliberalismus) oder auch unser Finanzminister Olaf Scholz.

Lohnt sich die Auseinandersetzung mit Karl Marx? Ja!
Ist der Missbrauch seiner Theorie zu rechtfertigen? Nein!

1990 wurden selbst ernannte Marxisten vom Sockel heruntergenommen. Diese „Marxisten“ (Leninisten, Stalinisten, Maoisten usw.) sind die schlimmsten „Marxisten“, denn sie haben mit Marx nichts zu tun. Diejenigen, die das Herrschaftssystem der DDR rechtfertigten, haben nichts von Marx verstanden. Auch der chinesische Kapitalismus ist eine Fehlinterpretation von Marx.

Es gibt nicht „den“ Kapitalismus, sondern viele regionale und historische Varianten.

In den USA gab es die „Chicago Boys“, von Hayeks und Friedmans Ideen inspiriert, waren sie von der Überlegenheit freier Märkte überzeugt, die sie durch Privatisierungs- und Deregulierungsmaßnahmen in Pinochets Chile realisierten. Aber die USA haben auch deren hervorragende wirtschaftswissenschaftliche Kritiker hervorgebracht wie z. B. William Dawbney „Bill“ Nordhaus (* 1941) und Joseph E. Stiglitz (* 1943); in Deutschland haben wir hier eher eine Fehlanzeige („Beförderungsmechanismus“).

Zur Überwindung kapitalistischer Krisen hat bei uns die Soziale Marktwirtschaft beigetragen.


Ihre Grundprinzipien sind:

1.
Kein Lohnabhängiger (er ist abhängig vom Produktionsmittelbesitzer) darf ausgebeutet werden. Dafür gibt es den Sozialstaat, der ihn z.B. bei Arbeitsplatzverlust auffängt. Die Agenda 2010 incl. Hartz IV steht im Widerspruch zur Sozialen Marktwirtschaft (die auch von der katholischen Soziallehre inspiriert war; z. B. von Friedhelm Hengsbach, * 1937, Jesuit, Ökonom und Sozialethiker). Die Agenda 2010 führte – gewollt – zum stark zunehmenden Niedriglohnsektor. Der dümmste Satz zur Rechtfertigung der Agenda stammt vom damaligen SPD-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, der sagte, jede Arbeit sei besser als Arbeitslosigkeit. Dumm ist dieser Satz, da es in der sozialen Marktwirtschaft um gute, tarifgebundene Arbeit geht und nicht um schlechte Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor.

2.
Sozialgesetzgebung, z. B. Riesterrente
Die Riesterrente widerspricht der sozialen Marktwirtschaft, da sie auf privater Kapitalvorsorge beruht. Kein Lohnabhängiger darf dazu verdonnert werden, durch Eigenmittel für die Rente vorzusorgen. Im Prekariat ist kein Lohnabhängiger mangels Arbeitseinkommens dazu in der Lage.

Die Antwort auf kapitalistische Krisen war die Soziale Marktwirtschaft. Hier haben wir mittlerweile einen Rückschritt, da die soziale Vernunft unterbrochen wurde.


Welche Antworten hat Karl Marx?
Er hat den Kern der Anatomie des Kapitals analysiert:


1.
Die Arbeit ist die einzige Wertschöpfungsquelle. Der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit existiert auch heute noch. Der Tauschwert (er bezeichnet das Verhältnis, in welchem Waren auf Märkten gegeneinander ausgetauscht werden) ist niedriger als der Gebrauchswert (er bezeichnet die gesellschaftliche oder individuelle Nützlichkeit eines Gutes); aus dieser Differenz ergibt sich der Profit. Der Mehrwert ist die Differenz zwischen dem Wert der Lohnarbeit und dem gezahlten Lohn (Kapitalakkumulation).

Ist die Ausbeutung vorbei? Sie ist es erst dann, wenn die Mehrheit nicht auf Arbeitseinkommen angewiesen ist (wenn sie also z. B. entsprechende Renten bzw. Kapitaleinkommen hat).

Bisher bleibt die Abhängigkeit der Lohnempfänger; deshalb ist ein Tarifvertragssystem für alle Lohnempfänger unverzichtbar.

2.
Die Entwicklungstendenz zur Konzentration und zur Zentralisation sind dem Kapitalismus immanent.

3.
Marx ist der Entdecker der volkswirtschaftlichen Kreislaufanalyse (Wirtschaftskreislauf).

4.
Marx hat den tendenziellen Fall der Profitrate analysiert. Aber er hat auch die Gegentendenzen erkannt, was von heutigen Kritikern gern übersehen wird. Er hat erkannt, dass, wenn alle Unternehmer betriebswirtschaftlich optimal handeln, es am Ende dennoch zur Krise kommt. Das ist die sog. „Rationalitätsfalle“. Sieht der Unternehmer die Zukunft nicht optimistisch, wird er nicht investieren, weniger produzieren. Das machen die anderen Unternehmen genauso. Profit und Kaufkraft sinken; es kommt zur Krise, zur Depression wie in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. John Maynard Keynes (1883 – 1946) hat diese Erkenntnis weiterentwickelt und gelehrt, dass, um die Krise zu bewältigen, nur der Staat übrig bleibt: Er muss investieren, also sich verschulden: Keynes bezeichnete dies als „deficit spending“ zur Initialzündung des Aufschwungs) .

Vor diesem Hintergrund ist die Schuldenbremse ein maximaler Blödsinn; hätte der Staat sich verschuldet durch Investitionen in z.B. die Infrastruktur, würden die positiven Auswirkungen aus der Verschuldung die negativen deutlich übersteigen.

5.
Vom Produktions- zum KasinokapitalismusGeldkapital
wurde der Produktion entnommen und ging in die Finanzmärkte. Geld kann nicht aus sich heraus arbeiten. Aber wo sollte das Vermögenskapital angelegt werden? Es wurde in zwielichtige Papiere und Finanzdienstleistungen gesteckt. Aber auch auf den Finanzmärkten gibt es Verwertungsgrenzen. So kam es 2008 zur entsprechenden Banken- und Wirtschaftskrise.

Um zukünftige zu verhindern wäre eine effiziente Bankenregulierung erforderlich. Dies hat bisher der äußerst mächtige und effiziente Finanzmarktlobbyismus verhindert.

6.
Natur und Umwelt im Kapitalismus
Im 19. Jahrhundert waren die Grenzen des Wachstums noch nicht sichtbar. Die Natur wurde (und wird oft noch heute) als Gratisproduktivkraft gesehen. Dies ist ein katastrophaler Fehler. Kommt es durch eine Umweltkrise zum endgültigen Fall des Kapitalismus?

7.
Ableitbare Erkenntnisse zu neuen Themen
Die Globalisierung wurde bisher fast ausschließlich positiv gesehen, da sie vielen Wohlstand brachte. Sie führte aber gleichzeitig zu einer Vertiefung des Gegensatzes zwischen Arm und Reich, zum Niedriglohnsektor, zur Bildung des Prekariats. Dadurch entstanden in der Mittelschicht große Ängste vor Arbeitsplatzverlust, also Abstiegsängste, die immer, so auch z. Zt., zu politischen Verschiebungen nach rechts führen.

Fazit:
Es geht darum, die Selbstzerstörung des Kapitalismus ernst zu nehmen, sie zu analysieren und die Analyse-Ergebnisse als Auftrag an die Politik zu geben.


Je mehr die „Anatomie des Kapitalismus“ nach Marx begriffen und angenommen wird, umso größer sind die Chance, mit einer aktiven Politik die selbstzerstörerischen Tendenzen zu vermeiden. „self-defeating prophecy.“ (Hickel)



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18 Jahre TQT und 12 Jahre TQT e.V.

Im Jahr 2000 hatte der Religionslehrer und Priester Hermann Münzel die Idee, eine "Arbeitsgemeinschaft Theologisches Quartett" zu gründen. Dazu schrieb er am 17.07.2000 insgesamt 18 Menschen an mit der Bitte, in dieser Arbeitsgemeinschaft mitzuwirken. Drei der acht heutigen Vorstandsmitglieder sind seit der ersten Stunde dabei.

Im Jahr 2000 fand die erste Matinee mit dem französischen Bischof von Partenia, Jacques Gaillot nach dem Muster eines Quartetts statt: Nach dem Vortrag diskutieren zunächst die Referentin/der Referent und drei weitere "Fachleute" an einem Podium über das Thema. Anschließend werden die Zuhörerinnen und Zuhörer in das Gespräch einbezogen.

Als im Jahr 2006 der Gründer Hermann Münzel starb, führten die Freunde das TQT als Erbe weiter und gründeten den Verein "Theologisches Quartett Trier e.V.", der nun schon seit über 12 Jahren gut besuchte Matineen anbietet.

Wegen der starken Beteiligung der Zuhörerinnen und Zuhörer an den Diskussionen wurde inzwischen auf die vorangestellte Podiumsdiskussion verzichtet.

Das TQT besteht seit seiner Gründung nun 18 Jahre und als Verein schon 12 Jahre. In dieser Zeit wurden jedes Jahr sechs oder sieben Matineen organisiert, insgesamt bereits über 100 Matineen. Das Archiv weist alle Matineen seit 23. 09. 2001 nach, und seit November 2006 werden im Archiv auch die Vortragskurzfassungen oder auch Manuskripte aufbewahrt, die Sie dort nachlesen können.



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