Hier finden Sie die folgenden Artikel

Das Programm 2017/18 lief am 18. März 2018 aus.
Zur Zeit erarbeiten wir das neue Programm 2018/19. Sobald es fertig ist, wird es an dieser Stelle veröffentlicht werden. Alle Mitglieder erhalten das Programm-Faltblatt per Post zugeschickt.

Weiterhin werden auch alle, die sich für den E-Mail- Service augemeldet haben, entsprechend Informiert.

Die Kriterien zur Themenwahl

Rückblick zur Matinee vom 18. März 2018 "Der Islam gehört zu Deutschland".

Rückblick zur Matinee vom 14. Januar 2018 "Waffenexporte ..."

Rückblick zur Matinee vom 10. Dezember 2017 "Leere Kirchen ohne Kunst ..."

Rückblick zur Matinee vom 12. November..2017 "Künstliche Intelligenz ..."

18 Jahre TQT

Und wenn Sie Interesse an unserer Arbeit haben, würden wir uns sehr freuen, wenn Sie Mitglied des TQT werden würden. Sie könnten so helfen, den Ideenreichtum und die Unabhängigkeit des Vereins zu fördern und zu sichern.



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Kriterien zur Themenwahl

Bei der Themenwahl folgt das TQT bezüglich der Inhalte grundsätzlich den Bereichen:
● Kirche und Theologie
● Frieden, Initiativen / Politik
● Gesellschaftsentwicklung
● andere Religionen, Weltanschauungen
● Naturwissenschaften
● Humanwissenschaften
● Kunst und Humor

und für alle Themen gilt:
● die Betrachtung ethischer und christlicher Grundsätze

Wir vom TQT freuen uns, wenn Sie die eine oder andere Matinee interessiert und hoffen auf ein Wiedersehen zum Programm 2018/19.

Wie in den vergangenen Jahren erhalten Sie - falls Sie sich für den TQT-Service entschieden haben - etwa eine Woche vor jeder Veranstaltung eine E-Mail mit der Ankündigung und einer Kurzinformation.



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Rückblick Matinee vom 18.03.18 mit Lamya Kaddor

Bericht und Fotos: Winfried Blasweiler

"Der Islam gehört zu Deutschland"

Nach einem musikalischen Einklang durch die Musikgruppe Link konnte die Matinee nicht gleich beginnen, weil die Referentin, Frau Lamya Koddor, infolge einer Zugverspätung erst 30 Minuten später ankam.

(Hinweis: Bild vergößern: Klick ins Bild; wieder verkleinern: löschen in oberster Bildschirmleiste)



Bernhard Nink (Klavier) und Sohn (Klarinette)

Die Moderatorin der heutigen, letzten Matinee in der Veranstaltungsreihe 2017/18, Frau Wibke Dankowski, nutzte die Gelegenheit, Bernhard Nink, der mit seinen Musikgruppen die Matineen musikalisch begleitet, und dem Haustechniker, Herrn Schossau, der - meist im Hintergrund – für die Funktion aller technischer Einrichtungen sorgt, mit Weinpräsenten herzlich zu danken.



Frau Dankowski Übergibt Herrn Schossau das Danke-P

Anschließend konnte dann die inzwischen eingetroffene Referentin Lamya Koddor vorgestellt werden:

Lamya Kaddor wurde 1978 als Tochter syrischer Einwanderer in Ahlen/NRW geboren. Sie gründete 2010 den Liberal-Islamischen Bund e.V., der sich für ein progressives Islamverständnis einsetzt, und wurde zu einer der zehn einflussreichsten muslimischen Frauen Europas gewählt. Kaddor unterrichtete 13 Jahre selbst auch Islamischen Religionsunterricht in Dinslaken, bis sie sich im September 2016 wegen Morddrohungen nach dem Erscheinen ihres Buchs „Die Zerreißprobe“ vom Schuldienst beurlauben ließ.



Die Moderatorin

Seit 2015 leitet sie ein vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördertes Projekt zum Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen („Empowerment statt Antisemitismus“) in Dinslaken. Für ihre Arbeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet.



Frau Kaddor veranschaulichte, wie selbstverständlich viele Muslime in hiesigen, von der Gesellschaft geprägten Einrichtungen aufwachsen, ohne dabei ihren Glauben zu verlieren, an ihren eigenen Kindheitserfahrungen. Dazu las sie verschieden Abschnitte aus ihrem neuen Buch „Die Sache mit der Bratwurst“.

Hierzu schreibt der Piper Verlag:

Die Islamwissenschaftlerin und Religionspädagogin Lamya Kaddor gibt liberalen Muslimen in Deutschland eine Stimme.



Lamya Kaddor

Doch wer ist eigentlich der Mensch hinter der bekannten Islamwissenschaftlerin? Was war für sie prägend, als sie als Kind syrischer Einwanderer in Deutschland aufwuchs? Warum waren Pippi Langstrumpf und Michael Jordan ihre großen Vorbilder? Und was passierte, als sie zum ersten Mal von einem Jungen geküsst wurde?

In ihrem neuen Buch erzählt Lamya Kaddor sehr persönlich und humorvoll, was an den Klischees über muslimisches Leben in Deutschland dran ist, was passiert, wenn man als muslimisches Kind auf dem Grillfest im Kindergarten aus Versehen eine Bratwurst verspeist und wie sie in Frau Hermann aus der Nachbarschaft eine deutsche Oma fand.



Vielleicht vermisste der eine oder andere Gast im übervollen Saal eine Antwort auf den in der vorangegangenen Woche von einem CSU-Politiker so provokant ausgesprochenen Satz, der das glatte Gegenteil des Matineetitels aussagt.



Der übervolle Hörsaal

Der Applaus zum Schluss der Matinee bestätigte die große Zustimmung zu den - auch mit Humor - vorgetragenen Erläuterungen von Frau Kaddor.



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Rückblick Matinee vom 14. Januar mit Gertrud Casel

Bericht und Fotos: W. Blasweiler.

Deutsche Waffenexporte –
eine friedenspolitische Bankrotterklärung

Nach einer musikalischen Einleitung begrüßte Dr. Herbert Lindenlauf vom TQT-Vorstand als Moderator dieser Matinee die Zuhörer und führte in das Thema ein, zu dem er die Referentin Frau Gertrud Casel aus Bonn willkommen hieß und vorstellte:



Dr. Lindenlauf

Gertrud Casel, in Trier aufgewachsen, arbeitet seit 15 Jahren bei Justitia et Pax und der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE). Acht Jahre war sie im Bundesfamilienministerium tätig. Sie wirkte als Vorsitzende des Bundes der Katholischen Jugend Deutschlands und als Generalsekretärin der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands.


Zum Inhalt des Vortrags überließ Frau Casel dem TQT einen Artikel, den sie in einer Zeitschrift veröffentlicht hatte, und den wir an dieser Stelle in Teilen wiedergeben.

Im Anschluss an diesen Artikel Finden Sie die Grafiken, die Frau Casel währed dieser Matinee vorgeführt hat.

Den Ankündigungstext zu dieser Matinee finden Sie HIER



Rüstungsexporte - Brandbeschleuniger ...

... für Gewalteskalation
(nach einem Artikel von Gertrud Casel in Unsere Seelsorge, Juni 2016)

Waffen in Konfliktregionen sind Brandbeschleuniger
Aus der Friedensforschung wissen wir, dass der Grad der Militarisierung beziehungsweise der Waffendichte in einer Region einer der besten Prognoseindikatoren für gewaltförmig eskalierende Konflikte ist. Konfliktpartner, die hoch aufgerüstet sind, gehen eher militärische Risiken ein. Insofern können Rüstungsexporte in Konfliktregionen, also ein Nachschub an Waffen, dazu beitragen, den militärischen Austrag von Konflikten zu verlängern oder erst zu riskieren. „Denn Hochrüstung und ein unkontrollierter Zufluss an Waffen gefährden den Aufbau dauerhafter Friedensordnungen und bedeuten ein schwerwiegendes Hindernis für die Einleitung von Friedensprozessen. Ebenso kann mit der Anhäufung großer Waffenarsenale die Versuchung wachsen, bestehende Konflikte durch den Einsatz militärischer Mittel gewaltsam zu bewältigen", so hieß es im Bischofswort ,,Gerechter Friede" und weiter ,,Es bleibt dringend geboten, die Bemühungen um Rüstungskontrolle und Abrüstung fortzusetzen und den Handel mit Waffen einzudämmen..." .



Laxe Exportgenehmigungspraxis.

Aber die Rüstungsexportkontrolle ist das Politikfeld, in dem auch in Deutschland ein Abgrund klafft zwischen dem Anspruch einer strengen Rüstungsexportkontrollpolitik und der Wirklichkeit laxer Exportgenehmigungspraxis.



Gertrud Casel

Strenge Regeln und Grundsätze

Deutschland hat in der Tat ein restriktives und weitgehend ethisch angeleitetes Regelwerk, was Rüstungsexporte betrifft. Das Grundgesetz stellt in Artikel 26, Absatz 2, die Herstellung und Verbreitung von Kriegswaffen unter den Vorbehalt einer Genehmigung durch die Bundesregierung. Das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Außenwirtschaftsgesetz haben schon immer einen engen und restriktiven Rahmen für deutsche Rüstungsexporte gesetzt. In den Politischen Grundsätzen der Bundesregierung aus dem Jahr 2000 heißt es: ,,Der Export von Kriegswaffen (in Drittstaaten) wird nicht genehmigt, es sei denn, dass im Einzelfall besondere außen- oder sicherheitspolitische Interessen der Bundesrepublik ... für eine ausnahmsweise zu erteilende Genehmigung sprechen." In diesen Grundsätzen sind ähnliche Kriterien zur Prüfung festgehalten wie im Gemeinsamen Standpunkt der EU, unter anderem die Lage der Menschenrechte im Endbestimmungsland, Frieden und Stabilität in der Empfängerregion, das Risiko unerwünschter Weiterleitung von Rüstungsgütern und die Verträglichkeit eines Exportes mit der Entwicklung des Empfängerlandes.



Grundgesetz, Artikel 26, Absatz 2

Dennoch steht Deutschland unter den weltweit größten Rüstungslieferanten an fünfter Stelle. Nicht hinnehmbar ist der stetige Zuwachs der Drittstaaten außerhalb von NATO und EU als Abnehmer deutscher Rüstungsexporte: 59 % der Exportgenehmigungen waren es im Jahr 2015. Was einmal als Ausnahme gedacht war, ist inzwischen zur Regel geworden. Deutsche Rüstungsunternehmen kompensierten nach der Finanzkrise 2009 die sinkende Nachfrage in Europa - in Deutschland etwa auch durch die Bundeswehr - durch neue Kunden auf dem Weltmarkt. Hier braucht es dringend einen Perspektivwechsel!



Die Bilder zum Vortrag

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Matinee mit Prof.Dr. F. Mennekes am 10.12 2017

Leere Kirchen ohne Kunst -
als Architektur des Fragens.


Ein Bericht von Matthias Arnold, Trier.

Nur gegen Widerstände könne Kunst in der Kirche existieren.

Diese Erfahrung durchzog den Vortrag von Pater Prof. Dr. Friedhelm Mennekes SJ.

Schon in der Einführung bot Wolfram Viertelhaus als Moderator der Matinee für diese These zwei Beispiele. So lehnte ein orthodoxer Pope mit Grausen das in der Autobahnkirche Wittlich befindliche Wandgemälde ab. Auch die von Meistermann geschaffenen Kirchenfenster in der Wittlicher Kirche wurden damals nur gegen großen innerkirchlichen Widerstand realisiert.



„Unsicherheit und Zweifel sind dem Glauben immanent. Doch der Zweifel ist wichtiger.“

Mit diesen Worten begann Pater Mennekes seinen anregenden Vortrag zur Kunst im Kirchenraum. Den Zweifel in der Kunst charakterisierte er dabei als einen „gläubigen Ausgriff auf die Schöpfung“. Nüchtern beurteilte er das Verhältnis zwischen Kunst und Kirche als „dramatische Distanz“. Es gebe nur gelegentlich fruchtbare Begegnungen. Über die zu betrachtenden Bilder und Kunstwerke hinaus, sah er Chancen in einer getanzten Liturgie.

Als Soziologe beurteilte er die Zukunft der Kirche ungeschönt und ohne Euphemismen: „Es ist sicher, dass ihr Sterben soziologisch beschlossen ist.“

Ohne sich in klerikalen Fatalismus zu ergeben, der die Situation als von Gott gegebenes Schicksal überhöht, stellte er an sich selbst und an die Priester die Forderung:

„Sie haben die Kirche vollzukriegen!“

Aufgrund der bereits vor Jahrzehnten bekannten Prognosen der schwindenden Mitgliederzahlen stellte er sich selbst die Frage, die ihm zum Lebensthema wurde:

„Ich wollte wissen: Wie kann das Christentum überleben?“

Zu seinen eigenen Bemühungen zog er eine positive Bilanz:
„Ich war erfolgreich Pfarrer!“.

Er schränkte seine Vorgehensweise jedoch ein:
„Sie müssen das nicht so nachmachen.“

„Für die Kirche im Gesamten gibt es eine große Zukunft, aber da muss viel sterben.“

Einfach auf traditionelle Mittel der Glaubensverkündigung und der Feier der Liturgie zurückzugreifen, hielt er für unverantwortlich: „Bach – das ist vielleicht gut für Schulen.“

Kurz umriss er die Geschichte der Pfarrei, in der er in Köln tätig war: „Die Beginenkirche wurde um 1140 als eigene Pfarrei gegründet.“ Dass diese Gemeinde bereits zu Beginn eine gewisse Unabhängigkeit besaß, deutete Mennekes an: „Sie haben sich den Pfarrer selbst bestellt!“

Für seine Gemeinde, die 7000 Gläubige bis 1942 zählte, sei es wichtig, dass sie an einem Kraftort erbaut wurde. Schließlich habe dort auch Peter Paul Rubens konvertiert. „Ich wusste, dass es ein Ort war, der Macht vom Boden hat. Wenn ich depressiv war und mit meinem Kopf nicht direkt durch die Wand kam, dann hab ich mich einfach flach auf den Boden gelegt.“

So machte Mennekes deutlich, dass unser Christlicher Glaube neben dem relativ vergeistigten Sehen stets auch ein im menschlichen Leib sich vollziehender Glaube ist.

Eine unabdingbare Voraussetzung für die Begegnung von Kunst und Kirche in seiner Gemeinde nannte Pater Mennekes: „ (...) dass der Raum autonom ist! Die Kunst konnte machen, was sie wollte. Die Musik konnte machen, was sie wollte.“

Sein Vorgehen illustrierte er anhand von zahlreichen Beispielen.
Neben den Chorfenstern installierte Jenny Holzer Schriften, die bei Tag kaum lesbar waren, da sie auf einer digitalen Anzeigetafel von unten nach oben aufstiegen: „Wie Würmer kamen die Klagelieder nach oben. Erlebte Rede von Opfern, Tätern und Zeugen“.

Für wichtig hielt er es, die Stimmen aller Beteiligten und Unbeteiligten zu hören.

Gegen Abend, wenn das Licht nachließ, zeigte sich die Schrift: „Wenn das Außenlicht zurückfällt, gibt es diesen interessanten Kampf zwischen den Lichtern.“



Auch Rosemarie Trockel ließ Pater Mennekes in Köln ausstellen. Früher habe diese Religionspädagogik studiert, doch das habe weder Spaß gemacht noch einen Fortschritt gebracht, so dass sie sich lieber der Kunst zuwandte. Rosemarie Trockel platzierte im Chorraum auf den Wänden hinter dem Altar drei Worte – ähnlich einem mittelalterlichen Triptichon.



„Wenn sie nach vorne sehen, sehen Sie immer diese Irritation.“

„Katholiken sind ja nicht dran gewöhnt den Kopf mal zu drehen oder zu bewegen.“

Jene Starrheit des Blicks führte Mennekes auf eine fehlende seelsorgerliche Ermutigung zurück:
„Die Pfaffen, die sie anscheinend nicht behüten, lassen Sie laufen...“

Statt eines In-Sicherheit-Wiegens plädierte Mennekes dafür sich bewusst der eigenen Angst auszusetzen: „Den radikalsten Service, mit Angst umzugehen, hat die Bibel: Getsehmane!“
Sensibilisiert durch „Frauenpredigten“ in seiner Gemeinde, oft von Edeltraud Meistermann ,„ein dolles Weib!“, gab Mennekes in seinen Ausstellungen auch der Thematik der Geschlechterverhältnisse Mann/Frau einen Raum. Diesbezüglich nannte er eine Ausstellung der Künstlerin Marlene Dumas, die zunächst aus einer radikal calvinistischen und bilderfeindlichen Haltung heraus („die katholische Kitsch-Mafia, die man allesamt verbrennen müsste“), für existenzielle Fragen sensibel wurde. Fraglich erschien bei diesen Bildern, ob Jesus eher weibliche oder männliche Züge tragen solle. „Jesus ist durch Zufall Mann geworden, weil: Gott wird Mensch und nicht Mann!“

Anhand dieses Beispiels, in dem Gott auf männliche Wesenszüge beschränkt werde, erläuterte Mennekes:
„Alle Bilder setzen das Sehen fest! Aber das Sehen ist fließend. Alle Kreuze raus aus der Kirche! Wissen Sie, ich bin ja als Jesuit ein Spieler. Bei den Bildern ist der Inhalt völlig unwichtig. Bilder dann, wenn Sie Fragen aufwerfen!“

Die barocke Bilderlust sieht Mennekes kritisch: „Das Barock fasse ich gar nicht erst an. Damit muss man Theater machen. So ein Gedöns, so dekadent wie die katholische Kirche ist.“

Statt der überbordenden Bilder in den Kirchen setzt Mennekes auf eine Askese des Sehens:

„Keine Kommunion vor Ostern! Keine Bilder! Das ging Aschermittwoch los. Gott zieht sich zurück.“

Der vielfach in der Fastenzeit geübte Brauch, die Bilder in den Kirchen zu verhüllen, scheint ihm auch während des Kirchenjahres ein probates Mittel zu sein, um nach der Zeit des Entzugs, in der das Bild uns verborgen bleibt, sich diesem wieder aufmerksam zuwenden zu können. Normalerweise werden dazu Stofftücher verwendet. Einmal jedoch wurde ein Altargemälde mit 120.000 davor aufgestapelten Hostien „verhüllt“.

Die Hostie als verbürgte Gegenwart Gottes wurde somit zugleich zum Medium der Verbergung. Angesichts dieser Ausführungen stellt sich die Frage wie sehr die Kunst in unseren Kirchen tatsächlich offenbarend wirkt.

Ein Künstler sagte zu Mennekes:

„Der Altar muss raus! Du brauchst keinen Altar. Du bist der Altar!“
Mennekes: „Niemand hat so viel liturgische Kompetenz wie ein Künstler! Theologen sind die wirklichen Verräter des Evangeliums. Sie sind Rationalisten.“

Für die Durchführung dieser Aktion besorgte der Künstler einen Marmor von Tassos, dessen Eigenschaft es ist kristallin und zugleich nicht verschattet zu sein. Daraus wurde ein Ring geformt, in den Mennekes stieg. Drüber hing eine 2000 Watt Glühbirne. Vier Stelen mit je zwei Buchstaben gaben dem Ring ein Viereck als Dualität zur Kreisform des Ringes.

Wie sehr die Wirkung der Liturgie auf das Zusammenspiel aller Komponenten der Gestaltung beruht, legte Mennekes anschaulich dar:

„Der Priester muss weiß sein. Nicht dieses gelblich weiße Plastikzeug. Ne weiße Bibel, ein weißer Kelch, den bekamen wir vom Sohn von Markus Stockhausen. Auch die Hostien müssen weiß sein! Es gibt nur noch diesen Mist von Brot! Du findest keine weißen Hostien mehr. Da musste ich erst nach London fahren. Im Mayfair District in London habe ich noch welche bekommen.“

Die Wichtigkeit der Farbe WEIß begründet Mennekes damit, dass die Hostie schließlich Christus ist. Sie soll nicht bräunliches Brot symbolisieren. Vielmehr soll das Brot Symbolträger sein.

Nicht alles wird explizit ausgeführt: „Die Mystik von Weiß, ich könnte Ihnen jetzt viel davon reden...“
„Es wurde das Evangelium gelesen, dann stieg ich in den Ring. Dazu gab es nur sphärische Orgelmusik. Kein Lied.“



Die im Viereck stehenden Stelen trugen etwa die Buchstaben:

(= ONE QUESTION)
(= INTERROGATIVE PHILOSOPHY)



„The figure of the question is in the room”.
„Gott als Frage ist die einzige Weise wie wir über Gott sprechen können. Es ist eine gezielte Frage auf das Ende hin.“ Mennekes als klarer Bekenner der apophatischen Theologie.

Wahrnehmung zu ermöglichen ist Ziel von Pater Mennekes. Diese Wahrnehmung bezieht sich nicht nur auf das Verhüllen von Bildern, sondern auch auf den Raum: „Permanent den Raum zu gestalten und zu verändern ist Aufgabe des Priesters!“ Die Wahrnehmung gelingt nur dann, wenn der Raum für die Liturgie und die Liturgie selbst diese Wahrnehmung erleichtern.

Dies gilt für Mennekes auch in Bezug auf die Taufe.
„Da gibt es Priester, die machen sieben Taufen auf einmal. Alle Taufen haben einzeln zu sein!“
Die Wahrnehmung des einzelnen Menschen scheint für die Menschen ein Grund gewesen zu sein, in seine Kirche zu kommen. „Ich hatte die vollste Kirche von Köln!“

Auch traditionelle Elemente der Liturgie sieht er kritisch:
„Wie bekloppt sind diese Priester, die immer noch den Teufel austreiben!“ Dabei nimmt er die Realität des Bösen dennoch wahr: „Wir nuscheln ja immer nur: Friede, Freude! Aber- Eierkuchen ist nicht!“

Dass Kunst nicht nur im Feld des Ästhetischen sich bewegt, zeigt eine Aktion, in der 542 benutzte Tonnen mit Brillen gefüllt wurden. „Dazu brauchte ich 20.000 Brillen. Aber! - Wo nehme ich 20.000 Brillen her?“ Eine Hilfsorganisation für Nordafrika half im besten Sinne des Wortes unter der Zusage, dass diese 30.000 Brillen zurück erhalten würden. So spendeten die Besucher alte Brillen. „Die Brillen machten etwas Seltsames! Sie holen das Licht runter in die Tonne. Das Kreuz leuchtet! Dann muss ich mich fragen: Wohin setze ich mich? An die Füße? Ans Herz?“

„Atmosphäre ist worum Du dich liebend und sorgend bemühst!“
Ein Künstler etwa gestaltete den Boden durch gestreutes Salz als ein Labyrinth. Salz, das dem Meer entnommen wurde und zugleich Salz, das die Christen in der Welt sein sollen.
„Mütter und Kinder nahmen das Salz und gaben es wieder in den Rhein.“



Immer wieder wird der Teilnehmer einer Liturgie dabei von Mennekes nicht nur aufgefordert Kunst zu betrachten, sondern dazu einen Standpunkt einzunehmen.

Etwa zu den Sätzen:



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Rückblick zur Matinee vom 12. November 2017

Referentin: Dagmar Boedicker, München:

Künstliche Intelligenz (KI)
- sind wir die Dummen?

Ein Bericht von Detlef Hein



Wer am 12. November 2017 zur Sonntagsmatinee wollte, musste zunächst einen nasskalten Weg zum Palais Walderdorff zurück legen. Doch der warme Raum und die Musik der Gruppe „Two for swing“ (Sean Gogan, Gitarre/vokal und Gharlotte Thomas, Alt-Saxophon) sorgten für einen wohltuenden Empfang.



Etwa 45 bis 50 Zuhörer waren zum Vortrag von Frau Boedicker über die „Künstliche Intelligenz“ (KI) gekommen. Frau Boedicker ist Journalistin und technische Redakteurin mit dem Schwerpunkt Infomationstechnik (IT) und Gesellschaft.



Systeme lernen anders als Menschen ...

... – so Frau Boedicker. Es sind komplexe Verfahren. In sogenannten neuronalen Netzen führen Daten nach gegebenen Auswahlverläufen zu Ergebnissen. Es gibt keine Kontrolle über die Abläufe in den Schichten zwischen Eingabe- und Ausgabeschicht. Es gibt Entsprechungen, Korrelate, aber das sind keine Kausalitätsketten. Daher können Lenkung und Verantwortung keiner einzelnen Stelle zugeordnet werden.

Die ethische Frage der KI lautet: Wer hat die Folgen von Entscheidungen in der KI zu verantworten? An Entwicklung und Einsatz sind viele Akteure beteiligt. Keinem von ihnen lässt sich die alleinige Verantwortung zuschreiben. Sie alle – und auch wir als NutzerInnen – tragen Verantwortung, da wir die Trainingsdaten für das Maschinenlernen liefern.

Es ist ein Dilemma: Die Folgen von Entscheidungen sind im Prozess nicht erkennbar. Wenn sie aber am Ende des Prozesses erkannt werden, ist es zu spät für eine Korrektur.

Beispiel: Es hatte einen tödlichen Unfall mit einem selbst fahrenden Tesla-Auto gegeben. Dessen KI hatte einen LKW nicht als Fahrzeug erkannt wegen einer großen Werbeschrift auf der Rückwand. Das Ergebnis der Bildverarbeitung lautete daher „Werbetafel“, das Fahrzeug reagierte falsch und erzeugte einen Unfall.

Wegen der vielen Akteure muss Verantwortung im konkreten Kontext der Beteiligten berücksichtigt werden.

In KI und Robotik können die Veränderungen schnell und einschneidend sein. Die ethischen Grundfragen aber bleiben und hinken hinterher. Deshalb können „ethische Prinzipien“ in technischen Systemen per se nicht ethisch sein. Der Mensch muss sie haben und verantworten

Wir brauchen ein europäisches KI-Verständnis, das KI europäischem Recht und dem Grundrechtsschutz der Menschenwürde unterstellt.

Ein Beispiel aus China zeigt, wie Persönlichkeitsrechte durch KI eingeschrenkt werden können;

Bis 2020 soll ein Social Credit-System flächendeckend eingeführt werden, bei dem der Staat das Sozial- und Online-Verhalten seiner Bürger überwacht und beurteilt. Aus den Kategorisierungen ergeben sich Belohungs- und Strafsysteme. So kann zum Beispiel ein Bürger je nach Kategorie einen Kredit bis zu einer bestimmten Höhe erhalten, leichter oder schwerer an eine Wohnung kommen und so weiter. (Vgl. SPIEGEL 11.11.17 S. 21)



Fragen und Ängste in der anschließenden Diskussion

Ist die Kommunikations-Infrastruktur ein öffentliches Gut? Sind es unsere Daten? Welche sind es, welche nicht? Wenn Daten und Infrastrukturen in privater Hand sind, was dürfen Betreiber und Anbieter dann damit? Was müssen sie? Fragen der Regulierung.

Wie hilfreich können Prinzipien des Datenschutzes wie die Zweckbindung heute noch sein, wenn sie aufgeweicht werden, und die Anonymisierung nicht gewährleistet ist?

In einem Fall aus einer Fernsehdokumentation schloss die Software des Rechners eines Arztes aus der Stimme eines Anrufenden, dass sie oder er möglicherweise eine bestimmte Krankheit entwickle. Was folgt daraus für das Verhältnis Arzt- Patient? Wird der Arzt womöglich zum Allwissenden oder Dummschwätzer?

Wie wahrscheinlich ist der Einsatz von Robotern in der Pflege? Manche Menschen scheinen Roboter-Puppen zu akzeptieren. Manche verteidigen ihre Verwendung damit, dass maschinelle Zuwendung "besser sei als keine Zuwendung".



Maßstäbe sind notwendig und gesetzlich zu regeln:

Die ethischen Grundsätze unserer Kultur dürfen durch Maschinen nicht vernachlässigt werden.

Menschenwürde, Autonomie und Persönlichkeitsrechte dürfen nicht eingeschränkt werden.

Von Verantwortung und Haftungsverpflichtungen kann der Mensch durch Maschinen nicht befreit werden.



Der Vortrag und der Gedankenaustausch haben in einer lebendigen Atmosphäre zu einem erhöhten Problembewusstsein geführt.


Den Ankündigungstext zu dieser Matinee finden Sie HIER



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18 Jahre TQT und 12 Jahre TQT e.V.

Zur Zeit laufen die und wir denken zurück an die Vergangenheit des TQT:

Im Jahr 2000 hatte der Religionslehrer und Priester Hermann Münzel die Idee, eine "Arbeitsgemeinschaft Theologisches Quartett" zu gründen. Dazu schrieb er am 17.07.2000 insgesamt 18 Menschen an mit der Bitte, in dieser Arbeitsgemeinschaft mitzuwirken. Drei der acht heutigen Vorstandsmitglieder sind seit der ersten Stunde dabei.

Im Jahr 2000 fand die erste Matinee mit dem französischen Bischof von Partenia,
Jacques Gaillot nach dem Muster eines Quartetts statt: Nach dem Vortrag diskutieren zunächst die Referentin/der Referent und drei weitere "Fachleute" an einem Podium über das Thema. Anschließend werden die Zuhörerinnen und Zuhörer in das Gespräch einbezogen.

Als im Jahr 2006 der Gründer Hermann Münzel starb, führten die Freunde das TQT als Erbe weiter und gründeten den Verein "Theologisches Quartett Trier e.V.", der nun schon seit über 12 Jahren gut besuchte Matineen anbietet.

Wegen der starken Beteiligung der Zuhörerinnen und Zuhörer an den Diskussionen wurde inzwischen auf die vorangestellte Podiumsdiskussion verzichtet.

Das TQT besteht seit seiner Gründung nun 18 Jahre und als Verein schon 12 Jahre. In dieser Zeit wurden jedes Jahr sechs oder sieben Matineen organisiert, insgesamt bereits über 100 Matineen. Das Archiv weist alle Matineen seit 23. 09. 2001 nach, und seit November 2006 werden im Archiv auch die Vortragskurzfassungen oder auch Manuskripte aufbewahrt, die Sie dort nachlesen können..



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Die anschließende Diskussion

... bot den vielen Zuhörern Gelegenheit, zu Nachfragen und zur Vertiefung des Gehörten und wurde - wie immer in der Matinee - auch reichlich genutzt.

Musikalisch begleitete das UBI-Trio mit Irmgard Brixius (Flöte), Ulrich Junk (Klarinette) und Bernhard Nink (Klavier) die Matinee.