Referentenliste und Kurzfassungen der Matineen

Diese Liste enthält die Namen der Referentinnen und Referenten und die Titel der Matineen seit dem Jahr 2001. Klicken Sie auf die blaßblau markierten Namen, um eine kurze Inhaltsangabe des Vortrags zu sehen (Flyertexte). Falls ergänzende Unterlagen vorliegen (z. B. Manuskripte), werden Sie von den Inhaltsangaben aus weitergeleitet.

Hinweis: Texte zu den Veranstaltungen vor 2006 liegen dem TQT nicht mehr vor.



Liste der Referenten/-innen

Datum Referent/in Thema
23.09.01 Willibert Pauels, Kürten Kirche, Kölsch und Karneval
02.12.01 Prof. Dr. Dietmar Mieth, Tübingen Biotechnik: Risiken und Folgen - Erst testen, dann denken?
20.01.02 Dr. Heiner Geißler MdB, Berlin Politik ohne Moral?
10.03.02 Carl Amery Der totale Markt als Reichsreligion – und die Kirchen
15.09.02 Dr. Reuwen Moskowitz, Tel Aviv Israel am Abgrund
03.11.02 Prof. Dr. H.J. Mayer, Dresden Das gemeinsame Abendmahl – Utopie der Kirchengemeinschaft
01.12.02 Prof. Dr. Fulbert Steffensky, Hamburg Mit versehrtem Glauben leben
02.02.03 Dr. Christine Schaumberger, Heidelberg Die vergessene Autorität der Frauen in der Kirche
30.03.03 Alice Hoffmann, Saarbrücken Die Muttergottes von Marpingen – und das katholische Milieu
28.09.03 Prof. Dr. Erich Zenger, Münster Die grundlegende Bedeutung des Ersten Testaments
09.11.03 Prof. Dr. Bernd Hamm, Trier Demokratie und/oder Terror
07.12.03 Prof. Dr. Hermann Pesch Die Lücken des Konzils
18.01.04 Dr. Markus Wissen Nahe Verwandte: Globalisierung und Gewalt
26.09.04 Manfred Bruns, Bundesanwalt a.D. Homosexualität und Kirche
24.10.04 Prof. Dr. Christoph Butterwegge, Köln Agenda 2010 – Vom Niedergang des Sozialstaates
14.11.04 Viola Raheb, Bethlehem Apartheidsstaat Israel
12.12.04 Willibert Pauels, Kürten Lachen – das ist mehr als Witze erzählen
13.02.05 Prof. Dr. Rainer Bucher, Graz Werden unsere Kinder Heiden sein?
25.09.05 Prof. Dr. F. Hengsbach SJ., Frankfurt … nach der Wahl: Können wir den Sozialstaat noch retten?
04.12.05 Prof. Dr. Stephan Goertz, Saarbrücken Sexueller Missbrauch. - Der Verrat am Evangelium.
22.01.06 Prof. Dr. Paul Hoffmann, Bamberg Erbe Jesu und Macht der Kirche: „Jesus wollte keine Priester“
27.01.06 Jürgen Becker, Köln Da wissen se mehr als ich…
06.02.06 Dr. Lamya Kaddor, Münster Islam und Christentum – Religionsfrieden durch Islamunterricht an deutschen Schulen?
26.11.06 Prof. DDr. J. Baptist Metz, Münster Mystik und Politik
10.12.06 Prof. Dr. Paul Zulehner, Wien Religion kehrt wieder- und die christlichen Kirchen?
11.02.07 Prof. Dr. Sabine Demel, Regensburg Frauen und kirchliches Amt: Vom Ende eines Tabus
18.03.07 Prof. DDr. Gotthold Hasenhüttel , Saarbrücken Ökumenische Gastfreundschaft- Abendmahlsstreit gestern und heute
21.10.07 Raid Sabbah, Stuttgart Gottes Streiter – Fundamentalismus im Islam
18.11.07 Dr. Kirstin Zeyer, Trier Solidarismus - Ein dritter Weg zwischen Sozialismus und Kapitalismus
09.12.07 Prof. Dr. Fulbert Steffensky, Hamburg Warum sollen die Frommen links sein und die Linken fromm?
20.01.08 Dr. Erhard Eppler, Schwäbisch Hall Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist - Kirche, Staat und Macht in Europa
10.02.08 Prof. Dr. Franz Hamburger, Mainz Einwanderungsland Deutschland oder die Abwehr der Normalität
02.03.08 Willibert Pauels, Kürten Kirche? Dass ich nicht lache!
26.10.08 Prof. Dr. Heinz-Günther Schöttler, Regensburg Von Heils- und Holzwegen. - Der Vatikan und die Bekehrung der Juden
30.11.08 Prof. DDr. Klaus Dörner, Hamburg Gesellschaft ohne Heime!?
14.12.08 Prof. Dr. Ulrich Duchrow, Heidelberg Soziale Destruktion im Neoliberalismus - Alternativen zur kap. Weltwirtschaft
18.01.09 Prof. Dr. Hubertus Halbfas, Drolshagen Verdunsten des Glaubens? Zur Zukunft des Christentums
15.02.09 Prof. Dr. H. Schüngel-Straumann, Münstertal „Gott bin ich und kein Mann“. Gottesbilder der Bibel - feministisch gesehen
22.03.09 Dr. Wilhelm Bruners, Mönchengladbach „niemandsland gott - theopoetische texte“
05.07.09 Dr. Eugen Drewermann, Paderborn Gott im Gehirn? Neurowissenschaft und Glaube
11.10.09 Peter Rosien, Bremen Mein Gott, mein Glück – Ansichten eines frommen Ketzers
15.11.09 Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach Caritas in veritate – Eine fragwürdige Sozialenzyklika
06.12.09 Dr. Rupert Neudeck, Troisdorf Die Eiserne Mauer – Zur vermeintlichen Ausweglosigkeit des Palästina-Problems
14.02.10 Prof. Dr. Klaus-Peter Jörns, Berg Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer – Abschied von der Opfertheologie
07.03.10 Dr. Guido Schlimbach, Köln Für einen lange währenden Augenblick – Kunst und Religion im 21. Jahrhundert
10.10.10 Professorin Ruth Lapide, Frankfurt Jesus von Nazareth zwischen Juden und Christen
14.11.10 DDr. Joachim Kahl, Marburg Weltlicher Humanismus - eine lebbare Philosophie für unsere Zeit
05.12.10 Robert Kurz, Nürnberg Der moderne Kapitalismus als säkulare Heilslehre
16.01.11 Prof. Dr. Dietmar Mieth, Tübingen Freiheit im Glauben - Zum Freiheitsmotiv bei Meister Eckhart
13.02.11 Prof. Dr. Arnold Benz, ETH Zürich Das Universum: Normalzustand oder Geschenk
20.03.11 Prof. Dr. Bärbel Krämer, Trier Neue Quellen zum antiken Christentum
14.08.11 Prof. Dr. Christian Butterwegge, Köln Armut in Deutschland - ökonomisch gemacht und politisch gewollt
16.10.11 Annegret Laakmann Heute wagemutig - morgen normal. Zur Reformbewegung Wir sind Kirche
20.11.2011 Prof. Dr. Georg Baudler Religion und Gewalt
04.12.2011 Renke Brahms Aus Gottes Frieden leben - für gerechten Frieden sorgen
08.01.2012 Prof. Dr. Michael von Brück Spiritualität in einer Welt ohne Maß
12.02.2012 Dr. Christian Hoppe, Bonn Gott in der Falle der Hirnforscher?
18.03.2012 Martin Bambauer,
Kantor und Organist an der Konstantin-Basilika Trier
Theologie in der Musik J.S. Bachs -
Vom Beziehungsreichtum der Gegensätze
21.10.2012 Prof. Dr. Ralf Miggelbrink, Essen 50 Jahre nach dem Konzil - Stagnation statt Innovation
18.11.2012 Prof. Dr. Dr.Peter Eicher, Lens CH Von der Theologie der Befreiung zur befreienden Spiritualität
09.12.2012 Dr. Ida Raming, Stuttgart Frauen im Priesteramt - Zeugnis einer röm.-kath. Priesterin
20.01.2013 Dr. Sabine Ferenschild, Siegburg 12_Bilddokumente Frauen und Weltwirtschaft
17.02.2013 Edgar Utsch, Gelsenkirchen Manuskript Glaubensgehorsam statt Hierachiehörigkeit! - Aufruf zum Ungehorsam
21.04.2013 Otmar Traber, Benningen Manuskript Was gibt's da zu lachen?! Religion und Humor
20.10.2013
Prof. Dr. Karl-Heinz Ohlig, Saarbrücken Manuskript Den historischen Jesus entdecken
17. 11.2013 Prof. Dr. Ingrid Kurz-Scherf, Marburg Nie wieder Vollbeschäftigung?! Arbeit neu denken und anders gestalten
08.12.2013 Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach, Ludwigshafen Die Zeit gehört uns
Widerstand gegen das Regime der Beschleunigung
12.01.2014 Dr. Frank Vogelsang, Bonn Die Rede von Gott - in der naturwissenschaftlich beschriebenen Welt
09.02.2014 Dr. Gotthard Fuchs, Wiesbaden Erlösung oder Erleuchtung - Christliche Mystik im Religionsgespräch
16.03.2014 Rabeya Müller, Köln Zwischen Extremismus und Liberalität – muslimisches Leben in Deutschland
19.10.2014 Gisela Mayer M.A., Winnenden
Bilder zur Matinee mit Gisela Mayer M. A.
Denn sie wissen nicht, was sie tun
- Gedanken über Schuld, Sühne und Verzeihen
09.11.2014 Christian Sterzing, Edenkoben Zusammenfassung Naher Osten - Ferner Frieden
Interessen und Friedensperspektiven
14.12.2014 wegen Unfall verlegt auf 12.04.2015 Dr. Rainer Hagencord, Münster Was bedeuten Tiere in unserem Glauben? Projekt einer Theologischen Zoologie
18.01.2015 Dr. Christian Feichtinger, Graz / Österreich Körper und Sexualität in der Moderne
08.02.2015 Dr. Ina Praetorius, Wattwill / Schweiz Ich glaube an Gott und so weiter. Zugänge zum Glaubensbekenntnis
12.04.2015 Dr. Rainer Hagencord, Münster Was bedeuten Tiere in unserem Gauben. - Projekt einer Theologischen Zoologie
20.09.2015 Christa A. Thiel, Dortmund Was bedeutet "Familie" heute? - Die Diskussion in den ev. Kirchen und ihre Konsequenzen
08.11.2015 Dr. Necla Kelek, Berlin Muslime in Deutschland - Kann Religion ein Integrationshindernis sein?
13.12.2015 Dr. Michael Schmidt-Salomon, Besslich Braucht der Mensch noch Religion?
17.01.2016 Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff, Freiburg Was heißt menschenwürdig sterben?
Ethische Aspekte einer aktuellen Diskussion
31.01.2016 Anton Pieper, Bonn Nachhaltiges Wachstum –
Aufbruch in anderen Schuhen
20.03.2016 PD Dr. Bert te Wildt, Bochum Ins Netz gegangen –
Freiheit und Abhängigkeit in der digitalisierten Welt
18.09.2016 Daoud Nassar, Bethlehem Wir weigern uns, Feinde zu sein - Ein Friedensprojekt in Palästina
30.10.2016 Siegfried Eckert, Bonn Reformation statt Reförmchen
Steht die evangelische Kirche vor dem Burnout?
20.11.2016 Prof. Dr. Heinz-Günther Schöttler, Regensburg Katholisch oder evangelisch: Was soll's?
500 Jahre Trennungsgeschichte bereichern!
11.12.2016 Dr. Herbert Lindenlauf, Trier Zwischen Gottesstaat und Glaubensfreiheit. - Wie (in-)tolerant sind monotheistische Religionen?
15.01.2017 Klaus Prömpers, Wien Amerika hat gewählt. - Was nun, Europa
12.02.2017 Prof. Dr. Annette Treibel, Karlsruhe Integration ins Einwanderungsland Deutschland - ein Projekt für alle
12.11.2017 Dagmar Boedicker, München Künstliche Intelligenz - sind wir die Dummen?
10.12.2017 Prof. Dr. Friedhelm Mennekes, S.J., Frankfurt Leere Kirche ohne Kunst - Als Architektur des Fragens
14.01.2018 Gertrud Casel, Bonn Deutsche Waffenexporte - eine frierdenspolitische Bankrotterklärung


_______________nach oben_______________



Die Einladungstexte



Prof. DDr. Johann Baptist Metz

Mystik und Politik

Professor Metz war Ordinarius für Fundamentaltheologie in Münster und für Religionsphilosophie in Wien. Er ist Begründer der "Neuen Politischen Theologie". Mit dieser Befreiungstheologie hat er die theologische Landschaft nachhaltig geprägt.

Metz zeigt auf, dass die Rede von Gott niemals mit dem Rücken zu den Leidenden formuliert werden darf und dass die Erinnerung an die Leidenden zum maßgeblichen Kriterium allen Handelns werden muss.



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Paul Zulehner, Wien

Die Religion kehrt wieder – und die christlichen Kirchen?

Professor Zulehner ist Ordinarius für Pastoraltheologie in Wien. Er beschäftigt sich neben pastoraltheologischen vor allem mit religions- und kirchensoziologischen Fragen. Während das Interesse an Religion zunimmt, verlieren die Kirchen den Kontakt zu jungen, dynamischen Milieus.

- Welcher Verlust an Vielfalt, Impulsen, Sachverstand und Spiritualität gehen so verloren?
- Was müssen Gemeinden und Kirchenleitungen tun, um die durch andere Milieus geprägten Mitbürgerinnen und Mitbürger zu erreichen?



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Sabine Demel, Regensburg

Frauen und kirchliches Amt: Vom Ende eines Tabus

Professor Demel lehrt an der Universität Regensburg Kirchenrecht. Als erste Frau bekleidete sie das Amt der Dekanin an einer theologischen Fakultät in Deutschland. Zu ihren praxisrelevanten Forschungsgebieten zählen Gleichstellungsfragen, Moral und Recht in Abgrenzung und Bezug zueinander, Beteiligungsstrukturen in Kirche und Gesellschaft, Lebensschutz durch Beratung zwischen Anspruch und Wirklichkeit in Kirche und Gesellschaft.



_______________nach oben_______________



Prof. DDr. Gotthold Hasenhüttl, Saarbrücken

Ökumenische Gastfreundschaft- Zum Abendmahlsstreit gestern und heute

Professor Hasenhüttl ist emeritierter Ordinarius für Systematische Theologie an der Universität des Saarlandes. Er beschäftigt sich besonders mit der Ökumene und der Gottesfrage. Sein Engagement gilt der Verständigung der christlichen Kirchen und Religionen.
Zur ökumenischen Eucharistie- beziehungsweise Abendmahlsgemeinschaft stellen sich Fragen wie:

- Welche Hindernisse liegen einer ökumenischen Gastfreundschaft zu Grunde?
- Gibt die biblische und kirchengeschichtliche Tradition eine Orientierung?
- Ist eine Mahlgemeinschaft bald möglich oder in weiter Ferne?



_______________nach oben_______________



Raid Sabbah, Stuttgart

Gottes Streiter - Fundamentalismus im Islam

Seit der islamischen Revolution im Iran der 80er Jahre, aber auch im Zusammenhang mit muslimischen Selbstmordattentaten, taucht der Begriff des islamischen Fundamentalismus regelmäßig in den Medien und der öffentlichen Diskussion auf.

Was ist „islamischer Fundamentalismus“?

Hat der auch als Islamismus deklarierte Fundamentalismus seine Wurzeln in der islamischen Revolution oder geht dieser auf viel früher datierte geistliche Strömungen zurück?

Auf diese und andere grundlegende Fragen will die Matinee eine Antwort geben.



_______________nach oben_______________



Dr. Kirstin Zeyer, Institut für Cusanus-Forschung

Solidarismus – Ein Dritter Weg zwischen Sozialismus und Kapitalismus

Eines ihrer Spezialthemen, die Beschäftigung mit dem Sozialreformer Paul Jostock (Köwerich 1895-1965), wurde im letzten Jahr durch die Nikolaus-Koch-Stiftung gefördert.

Eine der zentralen Fragen von Paul Jostock lautete: Wie kann ein grundlegender Umbau des kapitalistischen Wirtschaftssystems gelingen, ohne das gegebene Gesellschafts- und Wirtschaftssystem radikal in Frage zu stellen?

Sein Konzept des Solidarimus führt volkswirtschaftliches Wissen und damit größere ökonomische Kompetenz in die katholische Soziallehre ein.



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Fulbert Steffensky, Hamburg

Warum sollen die Frommen links sein und die Linken fromm?

Professor Steffensky war Ordinarius für Religionspädadgogik an der Universität Hamburg.
Politisch Engagierte vernachlässigen nicht selten die spirituelle Dimension des Glaubens.
Die spirituell Interessierten jedoch wollen nichts von seiner gesellschaftlichen Dimension wissen. Für Steffensky gilt:

- Wer in Gott eintaucht, taucht neben den Armen wieder auf oder er ist nie in Gott eingetaucht.

- Wer sich nicht spirituell ernährt, der hat es schwer, in seinen Lebensoptionen und in seinem Engagement langfristig zu sein.



_______________nach oben_______________



Dr. Erhard Eppler, Schwäbisch Hall

Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist -Kirche, Staat und Markt in Europa

Dr. Erhard Eppler war Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Vorsitzender der Grundwertekommission der SPD sowie Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages.
Der Tradition Europas entspricht weder ein Gottesstaat noch ein Staat ohne Gott. Welche Leitbilder, welche kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Maßstäbe sind aus der Sicht der Kirchen notwendig, um soziale Gerechtigkeit und ein „Europa der Bürger“ zu fördern? Wie ist eine friedensstiftende europäische Außen- und Entwicklungspolitik zu gestalten?
Dr. Erhard Eppler wird der Verhältnisbestimmung von Staat und Markt in einem globalisierten Europa nachgehen und Perspektiven für die Rolle der Kirchen aufzeigen.



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Franz Hamburger, Mainz

Einwanderungsland Deutschland oder die Abwehr der Normalität

Professor Hamburger ist Ordinarius für Sozialpädagogik an der Universität Mainz.
Seit Jahrzehnten holt sich Deutschland in der Welt die Arbeitskräfte, die es braucht. Das sind zum Beispiel: Pflegekräfte, Putzfrauen, Fußballspieler, Spargelstecher und IT-Spezialisten. Während einerseits die ökonomische Bedeutung dieser Ausländer betont wird, breiten sich andererseits Nationalismus und Rassismus aus. Hamburger fordert, die Vielfalt der Kulturen und den Pluralismus als Realität in unserer Gesellschaft anzuerkennen.



_______________nach oben_______________



Willibert Pauels, Kürten

Kirche? Dass ich nicht lache!

Willibert Pauels, „ne bergische Jung“, ist Kabarettist, Karnevalist und Diakon.
Als überzeugter Christ mit rheinischem Humor beschreibt der Insider humorvoll-kritisch die kleine und große Politik der Kirche. Er meint: „Immer wenn der Mensch lacht, hat er eine Ahnung von der Unsterblichkeit der Seele.“
Einladung zu einer tiefsinnigen und heiteren Betrachtung am Sonntag Laetare.



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Heinz-Günther Schöttler, Regensburg

Von Heilswegen und Holzwegen - Der Vatikan und die Bekehrung der Juden

Die neue Karfreitagsfürbitte für die Juden von Papst Benedikt XVI. hat es an den Tag gebracht: Die alte, vorkonziliare Diskussion um die Notwendigkeit einer Bekehrung der Juden ist wieder eröffnet. Brauchen die Juden zu ihrem Heil "die Erleuchtung ihrer Herzen, damit sie Jesus Christus als den Heiland aller Menschen erkennen"? (Benedikt XVI).
Es steht zu befürchten, dass diese neue Formulierung kein Betriebsunfall ist, sondern die Rückkehr zu einer überwunden geglaubten theologischen Position anzeigt. Das dahinter stehende Problem geht weit über die neue Fürbitte hinaus und ist grundsätzlicher Natur:
Gibt es aus christlicher (und damit biblischer!) Sicht einen eigenen Heilsweg für die Juden?



_______________nach oben_______________



Prof. DDr. Klaus Dörner, Hamburg

Gesellschaft ohne Heime ! ?

Der demografische und soziale Wandel macht unsere Bevölkerung kleiner und älter. Das muss kein Nachteil sein, ist aber eine Herausforderung – auch für die Kirchen.
Prof. DDr. Klaus Dörner fordert eine neue Kultur der Altenpflege und stellt den Sinn von Altenheimen in Frage. Er plädiert unter anderem für Hausgemeinschaften in den Dörfern und Wohnvierteln der Städte, um der steigenden Zahl pflegebedürftiger Menschen auch in Zukunft human zu begegnen.
Wie können Kirchengemeinden ihrer Verantwortung in der Versorgung pflegebedürftiger Menschen heute und morgen gerecht werden?



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Ulrich Duchrow, Heidelberg

Soziale Destruktion im Neoliberalismus - Alternativen zur kapitalistischen Weltwirtschaft

Globalisierung wird uns als Schicksal dargestellt. Das ist eine Lüge. Gewiss gibt es einen normalen historischen Prozess der wachsenden weltweiten Beziehungen unter den Menschen und Völkern. Aber das Projekt der neoliberalen Globalisierung, ist mit Gewalt, Geheimdiensten und Medien bewusst im Interesse von Kapitaleigentümern eingeführt worden. Die Verlierer sind arbeitende oder ausgeschlossene Menschen sowie die Natur und künftige Generationen. Sozialabbau, Naturzerstörung, Kriege und zunehmende seelische Krankheiten sind Symptome dieser Entwicklung.
Die Mechanismen muss man kennen, will man nach Auswegen suchen. Es gibt bereits viele mögliche Alternativen. Sie lassen sich zusammenfassen unter den Konzepten „Wirtschaften im Dienste des Lebens“ oder „Eine andere Welt ist möglich“ (Weltsozialforum, Europäisches Sozialforum). Die politische Umsetzung der Alternativen für eine menschenwürdige Globalisierung erfordert eine aktive Einmischung vieler Bürgerinnen und Bürger.



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Hubertus Halbfas, Drolshagen

Verdunsten des Glaubens ? - Zur Zukunft des Christentums

Unter unseren Augen vollzieht sich ein Traditionsbruch, der seine Parallele vielleicht nur in der Achsenzeit findet, als die heutigen Weltreligionen entstanden. Was Christen glauben und was sie nach kirchlicher Lehre glauben sollen, driftet zusehends auseinander. Manche Zeitgenossen empfinden Elemente fernöstlicher Religionen als existenziell mehr betreffend als christliche Glaubensinhalte. Trotz gelegentlich hoch frequentierter kirchlicher Events scheint das europäische Christentum immer schwächer zu werden.

Um diesem Prozess nicht ohnmächtig unterworfen zu sein, ist es entscheidend, wahrzunehmen, was geschieht, und mitzugestalten, was neu zu Sprache und Bewusstsein kommen muss.



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Helen Schüngel-Straumann, Münstertal

„Gott bin ich und kein Mann“. Gottesbilder der Bibel - feministisch gesehen

Dass Gott weder männlich noch weiblich ist, ist theoretisch überaus klar. Trotzdem wird nur in männlicher Form von ihm gesprochen und gesungen: Herr, König, Vater, Richter …
Was heißt es für das Gottesbild, wenn Gott den Menschen als sein Bild männlich und weiblich geschaffen hat (Gen 1,26-28)? Muss es da nicht auch im Gottesbild Weibliches geben?



_______________nach oben_______________



Dr. Wilhelm Bruners, Mönchengladbach

niemandsland gott - theopoetische texte

Wem gehört Gott? Wer „verwaltet“ ihn in unserer Welt? Kirchen und Religionen stehen darüber in einem Streitgespräch. Jenseits dogmatischer Schranken geht die Poesie ihre eigenen Wege. Sie kennt die Zerbrechlichkeit der Gottesrede und sucht eben darin das Gemeinsame, über alle Unterschiede hinweg.



_______________nach oben_______________



Dr. Eugen Drewermann, Paderborn

Gott im Gehirn? Neurowissenschaft und Glaube

Hat Gott das Gehirn erschaffen oder erschafft das Gehirn Gott?

Die biochemischen Prozesse, die Denken oder Träumen ermöglichen, sind heute gut beschrieben.

- Ist der Mensch die Summe von Nervenverschaltungen?
- Kann man noch von Seele reden?
- Ist der Mensch frei?
- Was heißt: An Gott glauben?

In seiner neuen Buchreihe „Atem des Lebens“ ist Drewermann diesen Fragen nachgegangen.



_______________nach oben_______________



Peter Rosien, Bremen

Mein Gott, mein Glück - Ansichten eines frommen Ketzers

Peter Rosien ist evangelischer Theologe und Journalist. Der tradierte Gottes- und Christusglaube wie auch andere Lehren der Kirche sind ihm in Folge der historisch-kritischen Bibelanalyse fragwürdig geworden. Nach dem Examen an der Universität Mainz arbeitete er bei Tageszeitungen und im Radio. Von 1998 bis 2007 war er theologischer Chefredakteur von Publik-Forum.

Hat der Glaube an Gott in unserer Gesellschaft noch eine Zukunft? Das ist die Ausgangsfrage von Peter Rosien. Er hat sich durch die Aussage von Jörk Zink „Wenn es keine Erfahrung Gottes gibt, ist es sinnlos, von Gott zu reden“ inspirieren lassen.

Er schrieb sein ganz persönliches Gottesbuch: „Mein Gott, mein Glück.“ Dabei stehen zwei Erfahrungen im Zentrum: „Gott ist im Grunde der Seele mit seiner ganzen Gottheit“ (Meister Eckhart). Und: Gottes Liebe zu jedem einzelnen Menschen ist absolut, ist an keine Bedingung gebunden. Das zu erfahren, heißt anders glauben als bisher.



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach

Caritas in veritate - Eine fragwürdige Sozialenzyklika

Für den Sozialethiker Friedhelm Hengsbach ist die päpstliche Sozial-Enzyklika “Die Liebe in der Wahrheit” im Hinblick auf eine Regulierung der Wirtschafts- und Finanzwelt nicht deutlich genug ausgefallen. Hier sei theoretisch vom Schreibtisch aus „das Panorama der Welt” betrachtet worden, ohne die Interessenpluralität und sozialen Kämpfe ausreichend zu berücksichtigen.

Caritas in veritate“ gibt der religiösen Dimension der Globalisierung Vorrang und lässt in ihrer Analyse den aktuellen sozialwissenschaftlichen Kenntnisstand zu Globalisierungsprozessen über weite Strecken außer Acht. Sie argumentiert vielmehr mit der Universalität des katholischen Naturrechts. So vermeidet sie unter anderem die Auseinandersetzung mit der Tatsache, dass die Katholische Kirche im globalen Weltanschauungsmarkt nur ein Teilangebot unter vielen darstellt. Der wichtige Appell an jeden Einzelnen, moralische Verantwortung gegenüber der Globalisierung zu übernehmen, verliert dadurch an Überzeugungskraft.



_______________nach oben_______________



Dr. Rupert Neudeck, Troisdorf

„Die Eiserne Mauer“ - Zur vermeintlichen Ausweglosigkeit des Palästina-Problems

Neudeck beurteilt die Lage wie folgt:

„Die deutsche, die europäische und die US-amerikanische Politik sprechen von einer Zwei-Staaten-Lösung so, als sei sie auf dem Boden der Westbank und in Ost-Jerusalem einfach durch einen Federstrich zu machen. Dort leben aber mittlerweile in Wehrfestungen und Wehrstädten über 500.000 jüdische Siedler, die durch eingemauerte Straßen mit Israel proper verbunden sind.

Es rächt sich, dass kein deutscher Minister, kein Mitglied des Bundestages mal sich das Dilemma von innen angesehen hat. Und selbst die Schutzmacht Israels, die USA, kann Israel nicht davon abhalten, die Zahl der Siedlungshäuser und Siedler zu vergrößern. Eine klassische Aporie, zu deutsch: Ausweglosigkeit.

Die Weltgeschichte wie die Politik können so etwas nicht zulassen:

Was ist der Weg zum Frieden in Nahost?"



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Klaus-Peter Jörns, Berg

Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer“ (Hosea 6,6) - Abschied von der Opfertheologie

Seine These: Der historischen Analyse biblischer Überlieferungen samt Entstehungsgeschichte muss eine theologische Dogmen-Kritik folgen.

Religionen kennen Opfer, um Urängste zu besänftigen. Menschen und Tiere wurden dargebracht, um Götter gnädig zu stimmen. Das Christentum hat dieses Verständnis nicht überwunden, sondern verstärkt: Nur der Sühnetod Jesu erwirkte die Versöhnung Gottes. Aber bleibt damit die Theologie nicht hinter dem Geist Jesu zurück? Ist das der Gott, den er verkündigt und vertrauensvoll „Abba“ nennt?

Nach Jörns ist die Liebe Gottes nicht an Vorleistungen wie Opfer oder Sühne gebunden. Das Gottesverhältnis ist auch nicht durch Gehorsam bestimmt, sondern durch Vertrauen.



_______________nach oben_______________



Dr. Guido Schlimbach, Köln

„Für einen lange währenden Augenblick“ - Kunst und Religion im 21. Jahrhundert

Guido Schlimbach ist katholischer Theologe, Publizist und freier Kurator von Kunstausstellungen. Seit vielen Jahren wirkt er in der Kunst-Station St. Peter, Köln. Sein Buch „Für einen lange währenden Augenblick“ gibt einen gewichtigen Beitrag zur schwierigen Verhältnisbestimmung von Kunst und Religion in unserer Zeit.

Schlimbach arbeitete mit P. Friedhelm Mennekes SJ in der Gemeinde St. Peter, Köln, der dort 1987 ein Zentrum für zeitgenössische Kunst und Musik gründete. Von dort gehen entscheidende Impulse zur Verhältnisbestimmung von Religion und Kunst aus. Die Kunst-Station erregt seit vielen Jahren durch Ausstellungen im Sakralraum Aufsehen. Köln bietet zudem Beispiele für das Spannungsfeld zwischen Religion und Kunst im 21. Jahrhundert: Eine Altarskulptur von Eduardo Chillida in St. Peter musste auf Veranlassung Roms beseitigt werden; das neue, vom weltberühmten Maler Gerhard Richter entworfene Fenster im Kölner Dom wurde gegen den Willen des Kölner Erzbischofs realisiert.



_______________nach oben_______________



Professorin Ruth Lapide, Frankfurt

Jesus von Nazareth zwischen Juden und Christen

Ruth Lapide ist jüdische Theologin und Historikerin. Sie studierte an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Ihr besonderes Interesse gilt der Entstehung des Christentums innerhalb des Judentums. Mit ihrem Ehemann, Pinchas Lapide, hatte sie sich intensiv für die Versöhnung von Juden und Christen eingesetzt. Nach dessen Tod führt sie diese Arbeit weiter. Sie ist Autorin zahlreicher Bücher, Radio- und Fernsehbeiträge.

Die Referentin wird sich im Vortrag mit einem der größten Söhne Israels befassen. Die Evangelien sind Urkunden jüdischen Glaubens aus dem Mund des Nazareners.

Nach zwei Jahrtausenden stellt sich die Frage: Ist Jesus im Laufe der Geschichte zum Bruch oder zur Brücke zwischen seinen Geschwistern und Jüngern geworden?



_______________nach oben_______________



DDr. Joachim Kahl, Marburg

Weltlicher Humanismus - Eine lebbare Philosophie für unsere Zeit

Joachim Kahl ist Autor der Bücher „Das Elend des Christentums oder Plädoyer für eine Humanität ohne Gott“ und „Weltlicher Humanismus. Eine Philosophie für unsere Zeit“. Er ist Hauptrepräsentant einer prononciert säkularen, atheistischen Weltdeutung. Kahl geht es um ein tieferes Verständnis der Wirklichkeit und um ein ertragreicheres Leben, als es seiner Meinung nach jede Religion bieten kann.

Menschliche Existenz heißt, wie Kahl es formuliert:

— Sich erträglich einrichten für ein kurzes Gastspiel auf einem Staubkorn im Weltall,

— tätig sein mit Sinn und Verstand, mit Anstand und Würde, mit Witz und Humor,

— schließlich Abschied nehmen von allem für immer, vor allem von sich selbst.



_______________nach oben_______________



Robert Kurz, Nürnberg

Der moderne Kapitalismus als säkulare Heilslehre

Robert Kurz, freier Journalist, ist einer der profiliertesten Kapitalismuskritiker. Sein Buch „Schwarzbuch Kapitalismus“, in dem er die These vertritt, der Kapitalismus zerstöre sich selbst, da er alles der „entfremdeten Arbeit, dem Geldeinkommen und Warenkonsum unterordnet“ und zur „Entzivilisierung der Welt“ führe, fand außerordentliche Beachtung.

Dass der Kapitalismus auch eine „religiöse Struktur“ besitzt, hat der jüdische Philosoph Walter Benjamin schon 1921 diagnostiziert. Die Vorherrschaft des Marktes über alle Lebensbereiche kann als zentrales Dogma der Quasi-Theologie des modernen Kapitalismus gelten.

Robert Kurz wird die sozioökonomischen Strukturen des modernen Kapitalismus skizzieren und seine normativen Leitbilder analysieren wie beispielsweise den Glauben an eine dauernde Wohlstandssteigerung. Der kritische Blick auf die real existierenden Strukturen des Kapitalismus wird dessen Nähe zu einer religiösen Heilslehre deutlich machen.



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Dietmar Mieth, Tübingen

Freiheit im Glauben - Zum Freiheitsmotiv bei Meister Eckhart

Dietmar Mieth war Ordinarius für Theologische Ethik an der Universität Tübingen. Neben den Bereichen der Sozialethik und der biomedizinischen Ethik zählt die Mystik, insbesondere die Meister Eckharts zu seinen Forschungsschwerpunkten.

Meister Eckhart (1260-1328) und ihm nahe stehende Laienbewegungen standen für eine Freiheit und Offenheit religiösen Denkens. Kirchliche Restriktionen und der Häresieprozess gegen Meister Eckhart waren die Folge. Auch heute tendieren Institutionen der Religion dazu, die Suche nach Formen religiöser Selbstbestimmung einzuschränken.

Die Freiheit des Denkens übt eine zunehmende Faszination auf religiös Suchende aus. Zu fragen ist nach dem Verhältnis von religiöser Freiheit und institutioneller Ordnung der Religion.

Die Matinee thematisiert Aspekte des Eckhart’schen Denkens und seine Bedeutung für die religiöse Freiheit im Glauben heute.



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Arnold Otto Benz, Zürich

Das Universum: Normalzustand oder Geschenk?

Arnold Otto Benz ist Astrophysiker und leitet das Institut für Astronomie an der ETH in Zürich. In Veröffentlichungen und Vorträgen hat er sich mit der Schnittlinie zwischen Naturwissenschaft und Theologie auseinandergesetzt; die Bücher „Das geschenkte Universum: Astrophysik und Schöpfung“ oder „Würfelt Gott? Ein außerirdisches Gespräch zwischen Physik und Theologie“ zeugen davon.

Wenn die Astronomie die Entwicklung des Universums immer besser versteht, meint sie damit die kausalen Abläufe oder Zufallsprozesse. Diese muss die Naturwissenschaft nicht weiter begründen, sie finden einfach statt. Wenn man in einer sternenklarer Nacht staunend das All betrachtet, drängen sich andere Fragen auf: Was ist der Sinn des Ganzen? Was ist Rolle des Menschen in diesem grandiosen und erschreckend dynamischen Universum?

Im Vortrag wird die Entwicklung des Universums von den Galaxien bis zum menschlichen Bewusstsein dargestellt und nach ihrer Bedeutung für das menschliche Leben gefragt. Mit zeitgemäßem Verständnis von Schöpfung werden Berührungspunkte zwischen Naturwissenschaft und christlicher Theologie gefunden.


Bücher zum Thema von Prof. Dr. Benz:

Die Zukunft des Universums: Zufall, Chaos, Gott?

Das geschenkte Universum: Astrophysik und Schöpfung.

Würfelt Gott? Ein außerirdisches Gespräch zwischen Physik und Theologie.



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Bärbel Kramer, Trier

Neue Quellen zum antiken Christentum

Bärbel Kramer ist Professorin für Papyrologie an der Universität Trier. Ihre wissenschaftliche Tätigkeit dient der Entzifferung, Übersetzung un Kommentierung antiker Texte, die auf Papyrus oder Pergament erhalten sind.

Die Papyrussammlung der Universität Trier besitzt ein aus Briefen und Alltagsdokumenten des vierten Jahrhunderts bestehenden Archivs aus einem ägyptischen Kloster, das die Anfänge des christlichen Mönchtums beleuchtet. Doch das geistige und organisatorische Leben der Angehörigen dieses Klosters weist deutliche Unterschiede zum traditionellen Mönchtum auf:

Einige Indizien weisen daraufhin, dass die Mönche einer besonderen christlichen Gemeinschaft angehörten. Das Phänomen eines im dritten Jahrhundert in Ägypten einsetzenden Rückzugs in die Einsamkeit der Wüste ist als "größte Jugendbewegung der Geschichte" bezeichnet worden. In Scharen entsagten jugendliche "Aussteiger", meist aus der oberen Gesellschaftsschicht, dem weltlichen Leben - eine radikale Reaktion auf die Anpassung der Elterngeneration in der Zeit der Christenverfolgung oder eine Reform des Christentums durch Erneuerung der Religiosität?



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Butterwegge, Köln

Armut in Deutschland –

ökonomisch gemacht und politisch gewollt


Christoph Butterwegge ist Professor für Politikwissenschaft an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln. Seine Analyse der „Armut in einem reichen Land“ zählt zu den wichtigsten Buchbeiträgen der aktuellen Armutsforschung. Butterwegges Problemsicht widerspricht dem politischen Zeitgeist ebenso wie einer wissenschaftlich distanzierten Armutsforschung: „Wer sich mit dem Armutsproblem beschäftigt, muss deutlich Stellung beziehen und Partei für oder gegen die Betroffenen ergreifen.“ Butterwegge plädiert für eine solidarische Bürgerversicherung und eine bedarfsdeckende Grundsicherung, um die Verarmung eines wachsenden Bevölkerungsanteils in Deutschland wirksam zu verhindern.



_______________nach oben_______________



Annegret Laakmann

Heute wagemutig – morgen normal
Zur Reformbewegung Wir sind Kirche

Annegret Laakmann arbeitet seit 1995 für die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche ehrenamtlich, seit 1998 als Referentin. 1987 war sie Mitbegründerin der Initiative Maria von Magdala - Gleichberechtigung für Frauen in der Kirche e.V. Sie ist Mitinitiatorin der Aktion Lila Stola, des Vereins Frauenwürde e.V.  und des Wir sind Kirche-Notrufs für Opfer sexueller Gewalt in der Kirche.

Im Vortrag wird die Entstehung von Reformgruppen kurz nach dem Konzil und in den 80er Jahren sowie die Arbeit der 1996 gegründeten KirchenVolksBewegung vorgestellt, ebenso deren Vernetzungen und gemeinsame Aktionen mit alten und neuen Reformbewegungen. Zur Sprache kommen zudem die Beziehungen zwischen Reformbewegungen und Amtskirche sowie die Chancen und Risiken innerkirchlicher Kritik.



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Georg Baudler

"Religion und Gewalt"

Georg Baudler
war Ordinarius für Religionspädagogik und Praktische Theologie an der Technischen Hochschule in Aachen (RWTH). Er hat sich mit der Identifizierung von Gott und Gewalt in den Weltreligionen und mit der Frage nach deren Überwindung auseinandergesetzt.

Dass Gewalt in allen Religionen eine Rolle spielt, ist geschichtlich begründet: Der frühe Mensch vergöttlichte die Naturgewalten, später auch die politische Herrschaft. Die heutigen Weltreligionen entgöttlichen tendenziell Natur und Herrschaft und sehen Gott als transzendente Wirklichkeit. Dennoch sind Reste der Gewaltvergöttlichung in den Weltreligionen geblieben und sind bis heute Quelle blutiger Auseinandersetzungen.



Das Vortragskonzept von Prof. Dr. Baudler

1. In allen 5 Weltreligionen findet sich – unterschiedlich stark – ein Gewaltpotenzial: Im Hinduismus Veden (Opferkult), Kastenwesen
  Im Buddhismus Kriegermönche, Klosterarmeen
  Im Judentum El Shaddai, der „Gewaltige Gott“
  Im Christentum Glaube als Staatsreligion(Inquisition, Hexenverfolgung; Kreuzzüge, Missionskriege)
  Im Islam Allah als El Shaddai, Zweiteilung der Menschenwelt, Missionskriege
2. Das Gewaltpotenzial der Religionen hat seinen Ursprung in der evolutionsgeschichtlichen Entstehung der Religion und des Menschen: Gewalterfahrung in den frühmenschlichen Lebensumständen Vergöttlichung der Gewalterfahrung (Gewitter, Feuer, Raubtier, Stier) Gegenbewegung: Muttererfahrung
C.G. Jung: Archetypen (Vorstellungsmuster, die sich aus den menschlichen Grunderfahrungen entwickelt haben und in allen Kulturkreisen auftreten (kollektives Unbewußtes), z. B. die Archetypen des Schattens, des Helden, der Mutter (analytische Psychologie)
3. In allen 5 Weltreligionen ist - unterschiedlich stark - eine Tendenz sichtbar, das Gewaltpotenzial zu überwinden: Im Hinduismus
Jainismus
Buddhismus
ahimsa - Erleuchtung - Nirwana
  Im Judentum „Jahwe“
  Im Christentum „Abba“
  Im Islam (absolute) Hingabe, Unterwerfung – Allah, der „Allbarmherzige“
Schlussüberlegung:
  Im Christentum liegt die letztgültige Gewaltüberwindung in der Selbstentäußerung Gottes, durch die er in Jesus aus Nazaret Mensch wurde.


Literaturhinweise zum Vortrag von Prof.Dr.Baudler

Baudler: Gott und Frau.Die Geschichte von Gewalt: Sexualität und Re-ligion, Kösel 1991

Baudler: El - Jahwe - Abba. Wie die Bibel Gott versteht, Patmos 1996

Baudler: Ursünde Gewalt. Das Ringen um Gewaltfreiheit, Patmos 2001

Baudler: Gewalt in den Weltreligionen, Wiss. Buchgesellschaft 2005

Baudler: Der freigelassene Kosmos: Naturwissenschaft und Glaube, Patmos 2011

Angenendt, Arnold: Toleranz und Gewalt: Das Christentum zwischen Bi-bel und Schwert, Aschendorff Verlag 2006

Burkert, Wolfgang: Homo Necans, Berlin 1972

Ehrenreich, Barbara: Blutrituale - Ursprung und Geschichte der Lust am Kriege, Kunstmann Verlag 1998

Davies, Nigel: Opfertod und Menschenopfer,Ullstein Taschenbuch-verlag 1986

Eliade, Mircea: Die Religionen und das Heilige: Elemente der Re-ligionsgeschichte, Salzburg 1954

Girard, René: Das Heilige und die Gewalt, Benziger Verlag 1972

Sofsky, Wolfgang: Traktat über die Gewalt, Fischer Tb 2005

Stoppe, Heinz-Günther: Religion, Gewalt und Krieg: Eine Einfüh-rung, Kohlhammer 2010



_______________nach oben_______________



Renke Brahms

"Aus Gottes Frieden leben - für gerechten Frieden sorgen."

Renke Brahms
war 16 Jahre Gemeindepastor in Bremen. Später war er für die Aus- und Weiterbildung von Erzieherinnen zuständig. 2007 wurde er vom Kirchentag der Bremischen Evangelischen Kirche zum Schriftführer, d.h. zum Leitenden Geistlichen (vergleichbar mit Bischof) gewählt.

Seit 2008 bekleidet Brahms das neu geschaffene Amt des Friedensbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Als solcher war er in diesem Jahr zusammen mit dem Militärbischof und dem Ratsvorsitzenden der EKD in Afghanistan. Er hat zudem den Vorsitz im Beirat für die evangelische Seelsorge in der Bundeswehr und in der Konferenz der Friedensarbeit im Raum der EKD inne.

Was bedeutet das Leitbild eines gerechten Friedens in der aktuellen politischen Weltlage und der friedensethischen Diskussion angesichts der Situation in Afghanistan, Libyen und anderen Konfliktlagen? Wie ist der Vorrang des Zivilen und die Rolle der Bundeswehr in diesem Zusammenhang zu beschreiben? Renke Brahms stellt als Botschafter der EKD-Friedensdenkschrift von 2007 Alternativen zum Krieg dar.

Für den Vortrag von Renke Brahms bildete die Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) eine wesentliche Grundlage. Wenn Sie die Denkschrift näher kennen lernen möchten, können Sie diese als PDF-Datei im Internet lesen oder herunterladen. Dazu klicken Sie biite hier.



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Michael von Brück

Michael von Brück ist evangelischer Theologe, Zen- und Yoga-Lehrer. Er leitet seit 1991 den Lehrstuhl für Religionswissenschaft, an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Zuvor lehrte er in Regensburg Vergleichende Religionswissenschaften.

Sein Studium umfasste Evangelische Theologie, Vergleichende Sprachwissenschaft, Sanskrit und Indologie. Nach der Promotion ging er nach Südindien, um Indische Philosophie und Religion sowie Buddhismus zu studieren. 1982 folgte die Habilitation in Systematischer Theologie; seit 1985 ist er Zen- und Yogalehrer.

Seit Jahren ist er Gesprächspartner des 14. Dalai Lama. Er verfasste zahlreiche Bücher über den Buddhismus und dessen Verhältnis zum Christentum.

Spiritualität ist – so von Brück - die bewusste Steuerung des Bewusstseins. Rituale sind identitätsstiftende Inszenierungen von Abläufen, die menschliches Handeln in größere Sinnzusammenhänge einbinden. Der Vortrag fragt danach, was beide Aspekte – die bisher vornehmlich in den Religionen verankert waren – heute bedeuten.



_______________nach oben_______________



Dr. Christian Hoppe, Bonn

Christian Hoppe (geb. 1967) ist klinischer Neuropsychologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Bonner Universitätsklinik für Epileptologie, zudem katholischer Theologe. In zahlreichen Aufsätzen und Vorträgen beschäftigte er sich mit Fragen im Grenzbereich von Hirnforschung und Philosophie/Theologie.

Aus naturwissenschaftlicher Sicht ist festzustellen, dass sich geistig-seelische Phänomene ausschließlich in Verbindung mit einer intakten Neurobiologie des Gehirns beobachten lassen, nicht ohne sie. Außergewöhnliche Bewusstseinszustände gehen mit veränderter Hirnaktivität einher – und lassen sich auch umgekehrt durch Hirnmanipulation auslösen. Die gedanklich-geistige Aktivität von Personen basiert auf der Biochemie des Gehirns und ist von daher determiniert. Die Vorstellung einer immateriellen Seele als Träger personaler Identität oder auch anderer rein geistiger, immaterieller Wesen erscheint zunehmend unverständlich und unplausibel.

Hoppe fragt: Kann die Theologie durch eine Rückbesinnung auf herausfordernde theologische Konzeptionen (wie etwa bei Thomas von Aquin) zum Dialog mit den Neurowissenschaften fähig bleiben?



Rückblick

Dr. Christian Hoppe hielt im Rahmen der Sonntagsmatinee des Theologischen Quartetts vor einem voll besetzten Zuhörerraum einen vielbeachteten Vortrag über neurologische Erkenntnisse zu den Themen Seele-Geist–Gottesvorstellung. Als Theologe und Psychologe mit einem Hang zur Philosophie entwickelte Dr. Hoppe unter dem provokanten Titel „Gott in der Falle der Hirnforscher“ ein für viele Zuhörer neues Seele/Geist- und Gottes-Bild.

Aus wissenschaftlicher Sicht spricht alles dafür, dass Erleben und Erkenntnis, Seele und Geist offenbar an die Hirnfunktionen gekoppelt sind. Diese Erkenntnis ist insofern von Belang, als sie einer transzendenten Geist/Seele-Vorstellung und einer damit verbundenen religiös motivierten Glaubensdimension eher entgegenstehen.

Ausgehend von neuesten Erkenntnissen der Hirnforschung über philosophische Argumente bis hin zu theologischen Überlegungen erläuterte Dr. Hoppe: Hirnforscher fanden Gott nicht – nur die Philosophen über das „Sein“, und außerhalb der Welt existiert kein Wesen („Gott“).

Im Anschluss an den Vortrag hatten die Zuhörer Gelegenheit, mit Dr. Hoppe zu diskutieren.



_______________nach oben_______________



Martin Bambauer, Trier

Martin Bambauer studierte an den Musikhochschulen Düsseldorf (A-Examen 1996) und Frankfurt a. M. (Orgel-Konzertexamen 2001). Seit 1999 ist er Kantor und Organist an der Konstantin-Basilika Trier. Dort führte er seitdem alle großen Chorwerke Bachs sowie in 2010 das gesamte Orgelwerk des Komponisten auf.

Johann Sebastian Bach sah sich selbst als Wissenschaftler der musikalischen Kunst. Seine Musik ist gleichermaßen vom Wort wie vom reinen musikalischen Einfall geprägt. Sie funktioniert nahezu besetzungsunabhängig, erscheint bei der Analyse als bis ins Detail durchdacht und klingt doch oft wie improvisiert. Mit ihrer perfekten Balance von horizontaler Melodieführung und vertikaler Harmonik bildet sie auf geradezu universelle Weise das Verhältnis von Gott und Mensch und deren gegenseitige Durchdringung ab.

Anhand von Beispielen aus dem chorischen und instrumentalen Schaffen Bachs veranschaulicht Kantor Martin Bambauer die Aufhebung der Gegensätze als musikalisches und theologisches Prinzip.



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Ralf Miggelbrink, Essen

50 Jahre nach dem Konzil - Stagnation statt Innovation?

Ralf Miggelbrink ist Professor für systematische Theologie an der Universität Duisburg-Essen. Zu den Schwerpunkten seiner theologischen Studien gehören unter anderem die Frage nach der angemessenen Rede von Gott und ökumenische Fragestellungen.

Das Zweite Vatikanische Konzil öffnete die Fenster der Kirche weit zum sogenannten aggiornamento. Die Konzilstexte erstaunen durch ihre inhaltliche Klarheit und den perspektivischen Gehalt. Umso mehr fällt nach 50 Jahren die Diskrepanz auf zwischen der Kirchenerfahrung heute und dem Anspruch des Konzils. Wiewohl es eine erwartungsfrohe Offenheit für die Zukunft geweckt hat - in Bezug auf Liturgie, Ökumene, Bedeutung der Bibel und das Verhältnis zu anderen Religionen -, ist das Konzil in der katholischen Kirche mancherorts widerstrebend und halbherzig umgesetzt worden. Tendenzen der Machtkonzentration und Klerikalisierung erschweren ein aktives kirchliches Leben engagierter Christen.

Die Matinee fragt, wie die vom Konzil angestoßene Offenheit für die Zukunft im Sinne des innerkirchlichen Dialogs und des Dialogs mit der modernen Welt wiedergewonnen werden kann




Ein Rückblick zum Vortrag:

In seinem Vortrag ging Prof. Miggelbrink von den Ergebnissen des Zweiten Vatikanischen Konzils aus, um deren Zielrichtung aufzuzeigen.

Die der Tradition der Kirche Verbundenen warfen dem Konzil den Bruch mit ebendieser vor. Diese Tradition aber sei - so Miggelbrink - erst im Laufe der Zeit entstanden und somit zeitbedingt. So waren Treue, Gehorsam und Einheit, wovon heute noch die Kirche geprägt sei, im Mittelalter wichtiger als die Freiheit der Menschen gewesen. Was aber wiegt das - so der Vortragende - gegenüber der Freiheit des Menschen, die ein Anliegen des Konzils gewesen sei. Auch die Kirche müsse sich Entwicklungen anpassen können; sie kann nicht im feudalen System verharren. Eine Reihe von Feststellungen des Konzils seien auch eine Rückbesinnung auf "vergessene Traditionen", die es neu zu beleben galt.

Eine Grundauffassung des Konzils sei es gewesen, dass Gottes Offenbarung an alle Menschen gerichtet sei und damit ökumenisch zu verstehen ist.

Zum Schluss seines Vortrages stellt der Redner fest, dass er - streng betrachtet - "das Thema verfehlt habe", da er auf den zweiten Teil des Matinee-Titels "Stagnation oder Innovation?" nicht explizit eingegangen sei.

Tatsächlich blieben viele Fragen zum Thema "Stagnation oder Innovation?" weitgehend ohne Antwort. – Schade.



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Dr. Peter Eicher

Peter Eicher lehrte seit 1977 in Paderborn Systematische Theologie und ist seit März 2008 emeritiert. Er studierte außerdem Philosophie, Psychologie und Literatur. Von 2003 bis 2006 forschte er in Brasilien. Mit seiner Frau Lisette betreut er das Hilfswerk „Stern der Hoffnung – Aidshilfe international“ in São Paulo.

Hat die Hoffnung auf den „Fortschritt der Völker“ (Paul VI.) getrogen? Die Theologie der Befreiung hat nicht nur die Kirche, sondern auch die säkulare Gesellschaft von den Strukturen der Ungerechtigkeit zu lösen gesucht. Diese religiöse Bewegung hat jedoch nicht verhindern können, dass kapitalistisches Wirtschaften einigen wenigen unermesslichen Reichtum beschert, während immer mehr Menschen im wachsenden Elend sterben.

Im Scheitern aber, so Eicher, wächst die Solidarität: Sie wächst nach innen, weil sie aus Quellen der Gerechtigkeit und der Verständigung zu leben lernt, die vielen Kulturen und Religionen gemeinsam sind. Die Solidarität wächst aber auch nach außen, weil das Eintreten für ökonomische Gerechtigkeit nicht mehr möglich ist ohne die globale Zusammenarbeit für das nachhaltige ökologische Gleichgewicht der ganzen Erde.

Der Vortrag zeigt, wie die Befreiung durch Scheitern hindurch uns selbst und mit uns die Welt verwandelt.



Dokumente zum Thema:

CELAM / Lateinamerikanische Bischofskonferenz: Die Kirche in der gegenwärtigen Umwandlung Lateinamerikas im Lichte des Konzils (Medellin 1968).

Katakombenpakt: Für eine dienende und arme Kirche (1965): 40 Bischöfe - später schlossen sich weitere 500 der Erklärung an - trafen sich drei Wochen vor Abschluss des 2. Vat. Konzils in den Domitilla-Katakomben außerhalb Roms. In Ihrer Erklärung griffen sie das Leitwort von der „Kirche der Armen“ auf, das Papst Johannes XIII vor Konzilseröffnung ausgegeben hatte. Sie verpflichteten sich, die Option für die Armen in ihrem kirchlichen Wirken umzusetzen.

Papst Paul VI: Enzyklika „Populorum Progressio“ / Einleitung (1967).

Pastorale Konstitution „Gaudium et spes“, 2. Vatikanum, Vorwort (1965).

Kongregation für die Glaubenslehre: Instruktion über einige Aspekte der Theologie der Befreiung (1984).

Farid Esack: Unterwegs zu einer islamischen Befreiungstheologie, in: Klaus von Stosch/Muna Tatari: Gott und Befreiung. Befreiungstheologische Konzepte in Islam und Christentum (2012).

Kairos-Palästina-Dokument „Stunde der Wahrheit“: Ein Wort des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe aus der Mitte des Leidens der Palästinenser und Palästinenserinnen (2009).

Stéphane Hessel, Empört euch! (2010).

Helmut Schmidt, Giovanni di Lorenzo: Verstehen Sie das, Herr Schmidt? (Köln 2012).

Joachim Gauck: Verantwortlicher Kapitalismus ist möglich. Rede beim Führungstreffen Wirtschaft (Berlin 2012).

Benedikt XVI: Enzyklika „Deus caritas est“ / Einleitung (2006).



Vergrößern: Klick auf das Bild

Rückblick zum Vortrag von Prof. Dr. Dr. Eicher

Von der Theologie der Befreiung zur befreienden Spiritualität

Die Theologie der Befreiung hat nicht nur die Kirche, sondern auch die säkulare Gesellschaft von den Strukturen der Ungerechtigkeit zu lösen gesucht, im Bewusstsein, dass frei nur ist der, dem dazu die Möglichkeit gegeben ist.

Infolge ihrer kontextuellen, hermeneutischen Bibelexegese deutet die Theologie der Befreiung Erlösung nicht mehr nur jenseitsbezogen und spirituell wie die traditionelle Theologie, sondern als eine sozialpolitische und ökonomische revolutionäre Veränderung der Gesellschaft. So muss die Theologie der Befreiung in Konflikt geraten mit den Herrschenden in Kirche und Staat.

Im Scheitern aber, sagt Eicher, wächst die Solidarität, einerseits aus Gründen der allgemeinen Gerechtigkeit, andererseits weil das Eintreten für ökonomische Gerechtigkeit nicht möglich ist ohne die globale Zusammenarbeit für das nachhaltige ökologische Gleichgewicht der Erde.

Befreiende Spiritualität zeigt sich für Eicher darin, dass derjenige, der das Unheil, die Not und die Schmerzen anderer reflektiert, auch bereit ist, sich real für die Beseitigung der Übel einzusetzen: „Der Mensch ist als Demonstrant geboren!“

Frau Lisette Eicher, die auch anwesend war, gründete 1988 den inzwischen größten Verein dieser Art, den „Stern der Hoffnung“ (www.sternderhoffnung.de), der in São Paulo in verschiedenen Einrichtungen und in 30 Häusern über 350 HIV-Positive und an AIDS Sterbende täglich pflegt. Inzwischen lebt das Ehepaar Eicher pendelnd zwischen Brasilien und Europa.

Am Podium diskutierten anschließend Willi Klein und Prof. Dr. Andreas Mühling mit dem Referenten, bevor die Zuhörerinnen und Zuhörer im voll besetzten Saal mit in die Diskussion einbezogen wurden.

Einige Fotos und deren ergreifende Geschichten aus São Paulo beschlossen die sehr beeindruckende Matinee.

W. Blasweiler


Hinweis:
Begleitend zur Matinee hatte Prof. Dr. Dr. Eicher einen „Reader“ erstellt und verteilt, der verschiedene Texte zum Thema enthält. Hier eine Zusammenstellung der Dokumente aus diesem Reader:



_______________nach oben_______________



Dr. Ida Raming

Frauen im Priesteramt - Zeugnis einer röm.-kath. Priesterin

Die Theologin Ida Raming kämpft mehr als 50 Jahre für die volle Gleichberechtigung der Frauen in der römisch-katholischen Kirche. Es wurde ihre Lebensaufgabe.

Sie verfasste mit ihrer Kollegin und Freundin Iris Müller eine Eingabe an das Konzil, in der sie sich für den Zugang von Frauen zu Diakonat und Priesteramt aussprach. Es folgte ihre Dissertation über den „Ausschluss der Frau vom priesterlichen Amt – Gottgewollte Tradition oder Diskriminierung?“. In Vorträgen und Veröffentlichungen setzte sie sich für ihr Anliegen ein.

Die Vatikanische Kirchenleitung verfolgte die zunehmende Bewegung für Frauenordination mit Argusaugen. 1976 reagierte sie mit einer Erklärung gegen die Frauenordination, 1994 mit einer „endgültigen“ Entscheidung gegen die Öffnung des Priesteramtes für Frauen.

Angesichts dieser diskriminierenden Blockade fand Raming zusammen mit weiteren Frauen einen befreienden Weg: Sie ließen sich 2002 öffentlich gegen das Kirchenrecht zu Priesterinnen weihen.

Die Amtskirche hat bis heute die Frauendiskriminierung nicht überwunden. Raming glaubt dennoch weiter an die befreiende Kraft des Geistes Gottes in der Kirche. Sie gibt ein glaubwürdiges Zeugnis von ihrer Berufung und der internationalen Priesterinnenbewegung.


Hinweis:
Folgende Publikationen geben einen Einblick in die Anfänge und die Weiterentwicklung der Bewegung:

- Müller, Iris/ Raming, Ida (2007): Unser Leben im Einsatz für Menschenrechte der Frauen in
der römisch-katholischen Kirche, LIT Verlag Berlin

- McGrath, Elsie Hainz/ Meehan, Bridget Mary / Raming, Ida (Hg.) (2009): Frauen finden einen Weg: Die internationale Bewegung Römisch-Katholische Priesterinnen, LIT Verlag Berlin



_______________nach oben_______________



Dr. Sabine Ferenschild

Frauen und Weltwirtschaft.

Sabine Ferenschild studierte Katholische Theologie und Sozialwissenschaften in Münster, promovierte in Paderborn („Arbeiterinnen und Katholizismus“) und ist seit 2011 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich „Frauen und Weltwirtschaft“ am Institut „Südwind“ in Siegburg.

„Jede geht – warum nicht Du? – Arbeitsmigration westafrikanischer Frauen nach Europa.“ Schlagzeilen wie diese erwecken den Eindruck eines Massenansturms auf die europäischen Grenzen - insbesondere aus Afrika. Die Bilder zu den Flüchtlingsdramen zeigen überfüllte Boote und erschöpfte Menschen, vor allem Männer. Sie führen drastisch vor Augen, wie dringlich die Frage der Migration von Politik und Öffentlichkeit behandelt werden müsste. Die EU reagiert weitgehend nur mit Abschottung und Abschreckung.

Die Bilder zeigen aber nur einen kleinen Ausschnitt der globalen Migration, der überwiegende Teil bleibt unsichtbar. Ferenschild zeigt die Hintergründe und Ursachen auf, die Menschen bewegen, ihr Land zu verlassen, die Zusammenhänge von interner und internationaler, von regulärer und irregulärer Migration, die Vielfalt der Migrationswege und nicht zuletzt die Feminisierung der Migration.

Wenn Sie die Grafiken aus dem Vortrag sehen möchten, klicken Sie hier

Literaturhinweis

Sabine Ferenschild (2011): „Jede geht – warum nicht Du?“ Arbeitsmigration westafrikanischer Frauen – ein Blick nach Ghana, Marokko und in die EU, Siegburg.
Kostenloser Download unter:
http://www.suedwind-institut.de/publikationen/2011/
Print-Publikation: 5 €, Bezug: Institut SÜDWIND, Lindenstr. 58-60, 53721 Siegburg, Tel.: (02241)-26609-0



_______________nach oben_______________



Edgar Utsch

Glaubensgehorsam statt Hierarchiehörigkeit!
- Aufruf zum Ungehorsam

Edgar Utsch studierte Theologie und Philosophie in Bonn, Paris, Bochum und am ökumenischen Möhler-Institut in Paderborn. Bis 1980 war er Priester im Bistum Essen und anschließend Gymnasiallehrer. Seit Ende der sechziger Jahre engagiert er sich für die Verwirklichung von kirchlichen Reformen, u.a. als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft von Priester- und Solidaritätsgruppen in Deutschland (AGP). Er ist verantwortlicher Redakteur einer Beilage der kirchenkritischen Zeitschrift „imprimatur“.

Utsch wird den „Aufruf zum Ungehorsam“ von Pfarrern in Österreich erläutern. Darin haben sich die Unterzeichner offen zu einer evangeliumsgemäßen Praxis bekannt, der nicht nur das Kirchenrecht, sondern nach Meinung der Bischöfe auch das priesterliche Gehorsamsversprechen entgegensteht.

Bei diesem Konflikt geht es offensichtlich nicht nur um die theologische Rechtmäßigkeit von längst überfälligen Reformen, die sich aus den Konzilsbeschlüssen ergeben, sondern um eine Systemfrage, die für eine hierarchische Institution besonders brisant ist.

Zum Vortragsmanuskript klicken Sie hier



_______________nach oben_______________



Otmar Traber

Was gibt’s da zu lachen?!
Religion und Humor.

Otmar Traber - nach eigenen Worten „katholisch gezeugt, geboren, geworden, geblieben, liiert, studiert - heimatloser Katholik und Kabarettist“- ist Preisträger des renommierten Kleinkunstpreises St. Ingberter Pfanne 2007.

Traber befragt das Christentum nach seinen Anteilen an Humor. Manche Religionen haben davon mehr als andere; manche Götter lachen mehr als andere - besonders in Asien. Zen-Mönche und taoistische Weise scheinen sich die meiste Zeit einem unbezwingbaren Gelächter hinzugeben. Und Esoterikläden und Gartenzentren bieten eine umfangreiche Auswahl lachender Buddhastatuen an. Auch griechische Götter lachten häufig, meist jedoch mit hinterhältigem Unterton. Das Christentum scheint einigermaßen unterprivilegiert, was das Lachen angeht. Der Theologie des Christentums fehlt es offensichtlich an Humor. Nicht umsonst schrieb Nietzsche: „Erlöster sollten sie aussehen, die Erlösten“.

Hier geht es zum Manuskript



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Karl-Heinz Ohlig

Den historischen Jesus entdecken

Karl-Heinz Ohlig hat Kath. Theologie, Philosophie und Geschichte in Trier studiert, 1969 bei Karl Rahner promoviert, war bis 2006 Prof. für Kath. Theologie und später für Religionswissenschaft an der Uni Saarbrücken. Er leitet „Inrah, Institut zur Erforschung der frühen Islamgeschichte und des Koran“.

Seit der Aufklärung wissen wir, dass die Evangelien nicht einfach Schilderungen des Lebens Jesu sind, aus denen sich eine Art Biographie erstellen ließe. Vielmehr sind sie davon geprägt, dass sie weniger Jesu Botschaft wiedergeben, sondern ihn vielmehr als Heilsmittler verkündigen wollen. Die Evangelien zeichnen ihn beispielsweise als Messias, endzeitlichen Menschen- und Gottessohn; sie bieten Verkündigung und nicht primär historische Information. Dennoch ist es Aufgabe der Bibelwissenschaft, zu versuchen, die geschichtlichen Abläufe soweit möglich zu erarbeiten und einen Zugang zum "historischen Jesus" zu eröffnen. Dann stellt sich die Frage: Wie kam es dazu, diesem Jesus derart gewaltige Hoheitstitel zuzuschreiben, die dann in der weiteren Kirchengeschichte immer mehr vertieft wurden? Ist eine solche Entwicklung gerechtfertigt und wie passen die Hoheitstitel zur Armutsgestalt Jesu?

Diese Zusammenhänge werden erörtert und diskutiert.

Zum Vortrag gab es ein Handout, zu dem es HIER geht



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Ingrid Kurz-Scherf, Marburg

Nie wieder Vollbeschäftigung?!
Arbeit neu denken und anders gestalten


Ingrid Kurz-Scherf ist in Trier aufgewachsen. Als Wirtschaftswissenschaftlerin arbeitete sie u.a. im Statistischen Bundesamt und beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Sie war Staatssekretärin für Arbeit und Politik im Saarland und in Brandenburg. Seit 1996 lehrt und forscht sie als Professorin für Politikwissenschaft an der Uni Marburg mit den Schwerpunkten Politik und Geschlechterverhältnisse, Zukunft der Arbeit und Politische Ökonomie.

Gigantische Arbeitslosenquoten in Verbindung mit einer starken Tendenz zur Prekarisierung der Arbeits- und Lebensverhältnisse von immer mehr Menschen signalisieren eine tiefgreifende Krise der Arbeitskultur moderner Gesellschaften. Eine Rückkehr zu alten Konzepten von Vollbeschäftigung unter Bedingungen des sog. Normalarbeitsverhältnisses wird immer unwahrscheinlicher - ist aber auch gar nicht wünschenswert. Denn die alten Konzepte von Vollbeschäftigung und Normalarbeit basieren auf mittlerweile unrealistischen und problematischen Voraussetzungen. Diese sind zum Beispiel: ständiges Wirtschaftswachstum, ein auf Erwerbstätigkeit reduzierter und auf industrielle Lohnarbeit fixierter Arbeitsbegriff sowie mittlerweile völlig veraltete, patriarchale Vorstellungen von Männerarbeit und Frauenarbeit.

Der Vortrag analysiert aktuelle Krisen und Konflikte um die Zukunft der Arbeit aus einer kritisch-feministischen Sicht. In den Blick kommen dabei insbesondere die Ansätze für eine neue, geschlechtergerechte, demokratieförderliche und ökologische Arbeitskultur.



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach, Ludwigshafen

Die Zeit gehört uns
- Widerstand gegen das Regime der Beschleunigung

Friedhelm Hengsbach, Jesuit, Prof. em. für Christliche Gesellschaftsethik an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, Frankfurt / Main. Ehemaliger Leiter des Oswald von Nell-Breuning-Instituts für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik.

„Ich kann nicht mehr“, klagt ein Kind auf der Titelseite des Spiegel über den Lernstress, der krank macht. „Die gleiche Menge soll in der Hälfte der Zeit bewältigt werden“, beklagt ein Facharbeiter das wachsende Arbeitstempo. Schulen und Betriebe sind zu Einfallstoren atemloser Beschleunigung geworden. Woher kommt dieser Temposchub? Die Finanzmärkte übertragen ihn auf Unternehmen, auf politische Entscheidungsträger und auf die Arbeitsverhältnisse bis in die Privatsphäre hinein. Folglich verlieren viele Menschen die Kraft, sich an den Rhythmen der natürlichen Umwelt, an den eigenen inneren Rhythmen und an den Regeln wechselseitiger Verständigung zu orientieren. Eine atmende Gesellschaft im Zeitwohlstand könnte dagegen so aussehen: Staaten behaupten sich gegen die private Kapitalmacht. Gewerkschaften handeln faire Löhne und humane Arbeitszeiten aus. Alle, die die unternehmerische Wertschöpfung erarbeiten, bestimmen paritätisch mit, wie sie verteilt wird. Frauen und Männer lernen, autonom zu entscheiden, wie viel an Lebenszeit sie den Betrieben, sich selbst und ihren Kindern widmen.



_______________nach oben_______________



Dr. Frank Vogelsang, Bonn

Die Rede von Gott - in der naturwissenschaftlich beschriebenen Welt

Frank Vogelsang ist Diplom-Ingenieur und ev. Theologe, Forschungen im Bereich Ingenieursethik; bis 2002 Geschäftsführer des Wissenschaftsforums beim Parteivorstand der SPD, Studienleiter an der Ev. Akademie im Rheinland, seit 2005 deren Direktor.

Die Rede von Gott ist in unserer Zeit selten geworden. Was sind die Gründe? Einem flüchtigen Betrachter mag es so erscheinen: Im Mittelalter wussten die Menschen nicht viel von der Welt, da war ihre Rede von Gott lebendig und bilderreich. Mit der wissenschaftlichen Durchdringung der Welt änderte sich das grundlegend, heute ist die Rede von Gott im Alltag kaum zu hören. Sollte es so sein, dass beides nicht zusammenpasst, der Glaube an Gott und die naturwissenschaftliche Beschreibung der Welt? Bleiben nur die Auswege einer religiösen Unverbindlichkeit oder aber einer fundamentalen Wissenschaftskritik? Eine genauere Betrachtung soll zeigen, dass weder die Wissenschaften noch die Theologie den Anspruch erheben können, ein geschlossenes Weltbild zu begründen. So verstanden waren die Naturwissenschaften für die Theologie geradezu hilfreich, sich aus falschen weltanschaulichen Traditionen zu lösen.

Wie kann aber unter den Bedingungen einer offenen Wirklichkeit die Rede von Gott wieder Kraft gewinnen?



_______________nach oben_______________



Dr. Gotthard Fuchs, Wiesbaden

Erlösung oder Erleuchtung - Christliche Mystik im Religionsgespräch

Gotthard Fuchs ist Priester, Ordinariatsrat für Kultur, Kirche und Wissenschaft in den Bistümern Limburg und Mainz; studierte Philosophie, Theologie und Pädagogik, war 1983 bis 1997 Direktor der Kath. Akademie der Diözesen Fulda, Limburg, Mainz. Einer seiner Schwerpunkte: "Geschichte und Gegenwart christlicher Spiritualität im interreligiösen Dialog".

Die Mystik-Konjunktur der Gegenwart lebt von der Sehnsucht: Ganz sein, stimmig werden, im göttlichen Geheimnis ankommen.

Die Zielvorstellungen und Hoffnungsbilder sind verschieden, interreligiös übereinander belichtet, in einladender Alternative nebeneinander oder in feindlicher Kontrastierung gegeneinander gestellt. Im politischen Raum nicht zu vergessen: die schwarze, braune und rote „Mystik“. Der „Sinnmarkt“ in unserer Gesellschaft ist diffus. Wie ist dabei das Christliche aufgestellt? Was bedeutet das Bekenntnis zur Auferstehung und wie „funktioniert“ es alltagstauglich - neben anderen religiösen Überzeugungen, etwas der buddhistischen, in der „Erleuchtung“ als Leitbild fungiert?

Angesichts von spiritueller Fastfood braucht es eine Unterscheidung der Geister. Die Grundfrage lautet: Wie halten wir dem Geheimnis des Lebens stand? Wofür leben und sterben wir? Daran allein bestimmt sich, was Mystik heißt.



_______________nach oben_______________



Rabeya Müller, Köln

Zwischen Extremismus und Liberalität – muslimisches Leben in Deutschland

Rabeya Müller ist als Katholikin in der Osteifel aufgewachsen und nach dem Abitur Ende der1970er Jahre Muslima geworden. Sie hat in Deutschland, Kanada und Asien Pädagogik, Islamwissenschaften, Ethnologie und Islamische Theologie studiert. Viele Jahre hat sie als Leiterin des Instituts für Interreligiöse Pädagogik und Didaktik gewirkt und ist derzeit Leiterin des Projekts „Geschlechtergerechtigkeit – interreligiös gedacht“. Als Vorstandsmitglied des Zentrums für islamische Frauenforschung und Frauenförderung berät sie muslimische Frauen in Not, darunter Opfer häuslicher Gewalt, und entwickelt Kurse im Bereich "Selbstbehauptungstraining für muslimische Mädchen". Sie entwickelt Curricula für den islamischen Religionsunterricht, gibt Schulbücher heraus und arbeitet in der LehrerInnenaus- und -fortbildung.

Es gibt viele Facetten des Alltags von Musliminnen und Muslimen in Deutschland. Die Vorstellungen des deutschen „Normalbürgers“ vom Islam werden oft von einseitigen Bildern und Reportagen geprägt. Müller will die Spannbreite und den Facettenreichtum des Islams in Deutschland beleuchten und analysieren. Sie wird darstellen, wo tatsächlich Skepsis angebracht ist, warum es sich lohnt, einander besser kennen zu lernen und offen miteinander zu reden.



_______________nach oben_______________



Gisela Mayer M. A., Winnenden

Gisela Mayer studierte Philosophie und Psychologie und war wissenschaftliche Mitarbeiterin an den Universitäten in München und Bayreuth. Seit 2004 übernimmt sie Lehrtätigkeiten in der Erwachsenenbildung, an Schulen und Krankenhäusern. 2009 war sie Gründungsmitglied des Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden - Stiftung gegen Gewalt an Schulen. Ihre Tochter war als Referendarin eines der Opfer des Amokläufers von Winnenden.

Die Referentin schreibt:

Schuldig geworden ist der 17-jährige Junge, als er am 11. März 2009 in Winnenden seine ehemalige Schule betrat und begann auf Schülerinnen, Schüler, Lehrerinnen und Lehrer zu schießen. Schließlich hatte er 15 Menschen ermordet und sich selbst das Leben genommen.

War die Schuld zu groß für ihn? War der Selbstmord Teil seines Plans? Eine endgültige Antwort wird es nicht geben. Endgültig ist nur die Tatsache, dass sich eine menschliche Katastrophe abgespielt hat, deren Ursache noch zu großen Teilen im Dunkeln liegt.
Offen allerdings ist auch, was aus dieser Katastrophe entsteht. Nicht die Wirklichkeit, nicht das Ereignis, das geschehen ist, kann verändert werden - wohl aber sein Sinn- und Wertgehalt im Hinblick auf unseren Lebenszusammenhang. Inwieweit Verzeihung nicht der sinnlose Versuch ist, Vergangenes ungeschehen zu machen, sondern „im Hinbeugen auf ein Stück Vergangenheit unseres Lebens diesem einen neuen Sinn aufzuprägen vermag“ (Max Scheler) und damit der eigentliche Hinweis auf menschliche Freiheit ist, soll Gegenstand dieser Matinee sein.

Eine Bilderfolge zu diesem Vortrag finden Sie HIER



_______________nach oben_______________



Christian Sterzing, Edenkoben

Naher Osten - Ferner Frieden
Interessen und Friedensperspektiven

Christian Sterzing, Rechtsanwalt/Pädagoge/Autor. Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah 2004 - 2009; MdB 1994 - 2002; im Vorstand des Deutsch-Israelischen Arbeitskreises für Frieden im Nahen Osten 1977 – 2010; Veröffentlichungen zum Nahen Osten, zuletzt „Kleine Geschichte des Nahostkonflikts“.

Nach dem Scheitern der israelisch-palästinensischen Friedensgespräche im April und dem Gaza-Krieg im Sommer 2014 scheint eine friedliche Regelung des nahöstlichen Konflikts ferner denn je. Es sind keine politischen Kräfte in Sicht, die in der Lage wären, eine neue friedenspolitische Dynamik mit realistischer Perspektive in Gang zu setzen. Radikale Kräfte stoßen in das politische Vakuum. Die „westlichen“ Staaten verlieren an Einfluss in der Region, neue politische Akteure treten auf den Plan, und neue Interessenkonstellationen entstehen. Die neue Unübersichtlichkeit hat die Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts weitgehend von der weltpolitischen Tagesordnung verdrängt. Konfliktmanagement statt Konfliktlösung ist angesagt. Die regionale Instabilität scheint die Beteiligten zu lähmen.

Gibt es in Israel und Palästina noch Kräfte, die sich gewaltlos für eine friedliche Konfliktregelung einsetzen, sich an den Prinzipien von Völkerrecht und Menschenrechten orientieren, die zum Dialog und Kompromiss mit dem „Feind“ bereit sind?

Hinweis: Eine Zusammenfassung des Vortrags von Norbert Bogerts finden Sie HIER



_______________nach oben_______________



Dr. Christian Feichtinger, Graz / Österreich

Körper und Sexualität in der Moderne

Christian Feichtinger arbeitet an der Kath.-Theologischen Fakultät der Universität Graz als Assistent am Institut für Katechetik und Religionspädagogik und als Lehrbeauftragter am Institut für Religionswissenschaft. Außerdem unterrichtet er Religion am Gymnasium in Bruck an der Mur.

Körper und Sexualität sind Schlüsselkategorien, wenn in den modernen Gesellschaften, in den Medien und in den Religionen debattiert wird. Verschiedene Lebensbereiche werden sexualisiert: Man spricht von „Körperkult“; alternative sexuelle und geschlechtliche Konzepte werden sichtbar. Neue Formen der Moral haben klassische Zugänge zur Thematik in Frage gestellt. Gleichzeitig bleiben scheinbar „konservative“ Zugänge präsent, und durch Migration etablieren sich neue Verständnisse von Sexualität und Körperlichkeit. Wo die einen „Befreiung“ sehen, orten andere Orientierungslosigkeit und Beliebigkeit, ja Verfall. Gleichzeitig entstehen aber auch neue Tabus.

Lassen sich diese Entwicklungen strukturieren? Und wie kann man sie ethisch und theologisch einordnen?

Hinweis: Wenn Sie das Manuskript lesen möchten, klicken Sie HIER



_______________nach oben_______________



Dr. Ina Praetorius, Wattwill / Schweiz

"Ich glaube an Gott und so weiter"
Zugänge zum Glaubensbekenntnis

Ina Praetorius
studierte in Tübingen, Zürich und Heidelberg Germanistik und ev. Theologie. Von 1983 bis 1987 war sie Assistentin am Institut für Sozialethik der Universität Zürich und promovierte an der Theologischen Fakultät Heidelberg. Sie wohnt seit 2004 in Wattwil (Schweiz). Seit 1987 ist sie als freie Autorin und Referentin tätig.

Wer eine christliche Erziehung hinter sich hat, kennt es auswendig: Das Apostolische Glaubensbekenntnis. In dogmatisch hoch aufgeladenen Sätzen sagt es, was »christlich« ist, und ist heute dementsprechend fremd.

Ina Praetorius zeigt, dass es nicht unzugänglich bleiben muss. Sie lässt ihre Zuhörerinnen und Zuhörer daran teilhaben, wie das Credo ihr und sie dem Credo immer wieder neu begegnet ist, wie sich Verbindungen zwischen ihrem Leben und den alten Sätzen herstellen, lösen, neu knüpfen. Der so steinern wirkende Bekenntnistext wird durchlässig für ein Gespräch – mit ihm und über ihn.

Hinweis: Hierzu hat uns Frau Dr. Praetorius ein Manuskript zur Verfügung gestellt: Klicken Sie HIER



_______________nach oben_______________



Dr. Rainer Hagencord

Was bedeuten Tiere in unserem Glauben?
Projekt einer Theologischen Zoologie


Dr. Rainer Hagencord wurde nach dem Theologiestudium 1987 zum Priester geweiht. Danach studierte er Biologie und Philosophie mit Schwerpunkt Verhaltensbiologie. 2004 promovierte er zum Thema "Das Tier: Eine Herausforderung für die christliche Anthropologie.“ 2009 gründete er mit Dr. A. Rotzetter, einem Kenner franziskanischer Spiritualität, das Institut für Theologische Zoologie.

Die Verhaltens- und Evolutionsbiologie überrascht mit immer mehr Hinweisen darauf, dass uns von den Tieren wenig trennt. Gefühle, Bewusstsein, das Lernen und Lehren finden sich nicht nur beim Menschen.

Die Bibel erzählt vom Menschen und seinen Mitgeschöpfen: Menschen sind „Erdlinge“, Tiere die Zuerst-Gesegneten der Schöpfung. Sie waren Mitbewohner einer Welt ohne Gewalt und nicht zuletzt Lehrende für Hiob und Jesus.

Diese biblische Würdigung der Mitgeschöpfe ist verloren gegangen.

Wenn der Trend anhält, wird schon in 10 Jahren etwa ein Drittel aller Tierarten ausgerottet sein. Es verschwinden allerdings auch die „Nutztiere“, obwohl ihre Zahl zunimmt: Hühner, Schweine und Rinder fristen in immer größeren Tierfabriken ihr Dasein und werden nicht mehr als Geschöpfe wahrgenommen.

Mit Blick auf die Mitgeschöpfe geht die Theologische Zoologie drei zentralen Fragen nach:

An welchen Gott wollen wir glauben?
Wie verstehen wir uns selbst?
Wie wollen wir leben?

Hinweis: Norbert Bogerts, ein Teilnehmer der Matinee, hat hiezu eine Zusammenfassung geschrieben. Wenn Sie diese unter "Manuskripte" lesen möchten, klicken Sie HIER.



_______________nach oben_______________



Christa A. Thiel, Dortmund

Was bedeutet "Familie" heute?
Die Diskussion in den ev. Kirchen
und ihre Konsequenzen

Christa A. Thiel aus Dortmund ist Pfarrerin und Redakteurin. Sie ist im lokalen Rundfunk in Nordrhein-Westfalen für die werktägliche Verkündigungssendung "Augenblickmal!" verantwortlich und Mitbegründerin der Aktion "Lichtblicke" für Kinder und ihre Familien in Not. Sie hat an dem Impulspapier der Evangelischen Kirche von Westfalen mitgearbeitet und den zweijährigen Prozess der Diskussionen auf verschiedenen kirchlichen Ebenen initiiert, begleitet und ausgewertet.

„Familie ist da, wo Menschen dauerhaft und generationenübergreifend persönlich füreinander einstehen und Verantwortung übernehmen.“ Dieser Familienbegriff liegt der Orientierungshilfe des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Familie zugrunde. Er ist auch Ausgangspunkt des oben genannten Impulspapiers.

Beide Papiere wollen Familien stärken, und zwar unabhängig von der Form, in der sie gelebt werden. Die „traditionelle“ Familie ist nach wie vor die häufigste Form, wobei „alternative“ Formen zunehmen. Es geht den evangelischen Kirchen darum, die gesellschaftliche Wirklichkeit zur Kenntnis zu nehmen, biblische Grundlagen zu beschreiben und Konsequenzen für kirchliches und gesellschaftliches Handeln zu ziehen.



_______________nach oben_______________



Dr. Necla Kelek, Berlin

Necla Kelek, geb. in Istanbul, kam mit 10 Jahren nach Deutschland und hat hier Volkswirtschaftslehre und Soziologie studiert. Ihre Bücher haben die Debatte um Integration und Islam in Deutschland nachhaltig geprägt. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, war Mitglied der Deutschen Islamkonferenz und Vorstandsmitglied bei TERRE DES FEMMES. Sie lebt als freie Autorin in Berlin.

„Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“ 2010 löste diese Aussage des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff eine kontroverse Debatte zur Integration des Islam in Deutschland aus. Die PEGIDA-Demonstrationen und die Terroranschläge von Paris im Januar 2015 haben diese Debatte erneut angeheizt. Auch Menschen mit muslimischem Hintergrund (in Deutschland ca. 4. Mio.!) diskutieren über den Islam und seine Integration im Westen kontrovers. Europäische Gesellschaften tun sich schwer, bestimmte Gruppen von Migranten zu integrieren. Die Mehrheitsgesellschaft klagt über mangelnde Integrationsbereitschaft der Migranten, ganz besonders der muslimischen Einwanderer. Muslime dagegen fühlen sich ausgegrenzt, benachteiligt, unverstanden.

Wir stehen vor einer großen Aufgabe. Ganz gleich wie fehlerhaft die Vergangenheit der Integrationspolitik war oder wie problematisch sich die Gegenwart darstellt: Das Zusammenleben ist unsere Zukunft.



_______________nach oben_______________



Dr. Michael Schmidt-Salomon

Michael Schmidt-Salomon vertritt einen evolutionären Humanismus. Er studierte an der Universität Trier Pädagogik. Der Philosoph und Schriftsteller ist Mitbegründer und Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, die sich als Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung versteht (laut Website). Sein 2014 erschienenes Buch Hoffnung Mensch – Eine bessere Welt ist möglich wird Grundlage des Vortrags sein.
Schmidt-Salomon meint:

„Die Antwort auf die Frage, ob der Mensch im 21. Jahrhundert noch Religion benötigt, hängt davon ab, was wir unter dem Begriff ‚Religion’ verstehen. Die dramatische Säkularisierung, die in den letzten Jahrzehnten in Westeuropa stattgefunden hat, zeigt, dass Menschen ihr Leben auch ohne Rückgriff auf religiöse Deutungsmuster meistern können. Doch geht mit dem Niedergang des institutionalisierten Glaubens auch der ‚Sinn und Geschmack fürs Unendliche’ verloren – das, was Friedrich Schleiermacher als das Wesen des Religiösen begriff?“

Ganz im Gegenteil, so der religionskritische Philosoph Michael Schmidt-Salomon weiter. Denn die Wissenschaft habe die Welt nicht nur entzaubert, sondern ihr zugleich einen neuen Zauber verliehen. Der aufgeklärte Mensch stehe heute staunend vor den unendlichen Dimensionen eines Universums, das viel geheimnisvoller sei, als es sich sämtliche Religionsstifter hätten vorstellen können.


Norbert Bogerts hat den Vortrag zusammengefasst; die Zusammenfassung finden Sie HIER.



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff, Freiburg

Was heißt menschenwürdig sterben?
Ethische Aspekte einer aktuellen Diskussion


Eberhard Schockenhoff ist Professor für Moraltheologie an der Universität Freiburg. Nach dem Studium der Theologie und der Priesterweihe war er zunächst in der Seelsorge tätig. Er war Geistlicher Assistent der Katholischen Ärztearbeit Deutschlands und stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Ethikrats. Er ist geschäftsführender Herausgeber der Zeitschrift für Medizinische Ethik.

In der Debatte um die Tötung auf Verlangen und die ärztliche Suizidbeihilfe spielt die Forderung nach Selbstbestimmung im Sterben eine große Rolle. Aber was meint Selbstbestimmung? Ist sie unabhängig von Fürsorge und guter medizinischer Versorgung überhaupt möglich? Welche Bedeutung haben Suizidwünsche?

Der Vortrag greift diese Fragen auf und formuliert ein alternatives Konzept der humanen Sterbebegleitung, das Patienten dazu hilft, ihr eigenes Sterben anzunehmen und als einen Teil ihres Lebens zu begreifen.


Prof. Dr. Schockenhoff hat ein Manuskript zur verfügung gestellt, das Sie HIER finden



_______________nach oben_______________



Anton Pieper, Bonn

Nachhaltiges Wachstum –
Aufbruch in anderen Schuhen

Anton Pieper studierte Politikwissenschaft in Berlin, arbeitete u.a. für die internationale Menschenrechtsorganisation FIAN (Food First Informations- and Aktions-Network), die sich dafür einsetzt, dass alle Menschen frei von Hunger leben und sich selbst ernähren können. Er ist Mitarbeiter des Südwind–Instituts / Bonn und dort als Experte für Sozialstandards im Welthandel sowie für Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen tätig.

Die Annahme, ökonomisches Wachstum sei eine Grundvoraussetzung für eine Steigerung der Lebensqualität der Menschen, ist überholt. Der einseitige Fokus auf die Steigerung der Güterproduktion und der Preise hat nicht zur Lösung von Problemen beigetragen, sondern im Gegenteil oftmals zu ihrer Verschlimmerung geführt. Daher ist ein radikales Umdenken vonnöten, weg von einseitigem ökonomischem Wachstum, hin zu nachhaltigem Wachstum und menschenwürdiger Arbeit – zur Postwachstumsgesellschaft.

Pieper wird dies exemplarisch anhand des Beispiels der Wertschöpfungskette von Schuhen darstellen. Dabei wird er insbesondere auf Beispiele aus der Schuh- und Lederindustrie in den wichtigsten Produktionsländern Asiens eingehen.

Hinweis: Der Matinee-Teilnehmer Norbert Bogerts hat hierzu einen Bericht geschrieben; hier geht es zum Bericht.



_______________nach oben_______________



PD Dr. Bert te Wildt, Bochum

Ins Netz gegangen –
Freiheit und Abhängigkeit in der digitalisierten Welt

Bert te Wildt leitet die Ambulanz der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie des LWL-Klinikums der Ruhr-Universität Bochum. Dort behandelt er Internet- und Computerspielabhängige. Er hat sich zum Thema Internetabhängigkeit habilitiert und ist Mitbegründer des Fachverbands Medienabhängigkeit e.V. 2015 erschien sein Buch „Digital Junkies - Internetabhängigkeit und ihre Folgen für uns und unsere Kinder“.

Revolutionen lösen in der Regel ebenso viel Euphorie wie Angst aus. Auch die digitale Revolution, der wir uns zunächst unkritisch in die Arme geworfen haben, offenbart längst ihre Fallstricke. Die naive Vorstellung einer digitalen Anarchie hat ausgedient: Langsam dämmert es uns, dass wir von Konzernen und Geheimdiensten nicht nur überwacht, sondern auch manipuliert werden. Die Vorzüge des Internets als Quelle für Informationen und Recherchen und der digitalen Kommunikation sind unbestritten. Längst aber haben wir uns vom Internet kollektiv derart abhängig gemacht, dass wir die individuellen Gefahren kaum wahrnehmen. Die wachsende Zahl derjenigen, die dem Internet im Sinne einer Sucht verfallen, wird ausgeblendet. Immer mehr Digital Natives werden zu Digital Junkies.

te Wildt meint:

„Alles läuft letztlich auf die Frage hinaus, ob der Mensch, seine Zivilisation und seine Demokratien noch überlebensfähig sind, wenn das Netz zusammenbricht oder in die Hände einer bösen Macht gerät.“



Anmerkung: Hierzu hat Norbert Bogerts einen Bericht geschrieben; klicken Sie HIER.



_______________nach oben_______________



Daoud Nassar, Bethlehem

Wir weigern uns, Feinde zu sein
Ein Friedensprojekt in Palästina

Daoud Nassar
ist Palästinenser und lebt in Bethlehem. Er leitet das Friedensprojekt Tent of Nations (Zelt der Völker). 1916 kaufte sein Großvater das Gelände, auf dem die christliche Familie seitdem Landwirtschaft betreibt.

Heute ist es der einzige nicht von israelischen Siedlern besetzte Hügel zwischen Bethlehem und Hebron. Dort setzt die Familie ihr Friedensprojekt um. Viele Freiwillige ermöglichen Seminare, Camps und Kinderfreizeiten. Die ständige Anwesenheit von Ausländern ist ein wichtiger Schutz für diese Arbeit. Tent of Nations gehört zu den zahlreichen kleinen Initiativen, die Gewaltfreiheit leben. Das ist nicht leicht in einer Umgebung von Sabotage, behördlicher Schikane und offenem Hass. Militante aus den israelischen Siedlungen und den palästinensischen Dörfern möchten solche Friedensarbeit verhindern. Die hundertjährige Kaufurkunde hat der Familie Nassar vor israelischen Gerichten geholfen, wenn z. B. israelische Bulldozer 1500 Weinstöcke und Obstbäume niedergewalzt haben. Die europäischen „Juden für Gerechtigkeit in Palästina“ kauften daraufhin Setzlinge und pflanzten sie ein.

„Wir weigern uns, Feinde zu sein“ - so steht es auf dem großen Stein vor der Farm. Daoud Nassar wird berichten, wie seine Familie in dieser Haltung lebt - mit Erfolgen und Rückschlägen.


Anmerkung: Einen Bericht zum Vortrag finden Sie HIER



_______________nach oben_______________



Siegfried Eckert, Bonn

Reformation statt Reförmchen
Steht die evangelische Kirche vor dem Burnout?

Siegfried Eckert ist Gemeindepfarrer in Bonn und Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Er ist Landessynodaler der Evangelischen Kirche im Rheinland und Autor und Initiator von Kabarettveranstaltungen.

Eckert nimmt humorvoll und streitbar seine Kirche ins Gebet. In seinem Buch „Zweitausendsiebzehn. Reformation statt Reförmchen" sieht er sie kurz vor dem Burnout. In den Landeskirchenämtern werde zunehmend marketing-strategisch gedacht. Finanzwesen und Verwaltungsstrukturreformen würden viel Geld, Zeit und Nerven kosten. Was wird aus der Vielfalt protestantischen Lebens, wenn es immer stärker von einem zentralisierten EKD-Protestantismus repräsentiert werden soll? Zur 500-Jahr-Feier der Reformation stellt Eckert die Frage: Wie viel Protestantismus ist übrig geblieben? Er wirbt für eine Umkehr des Protestantismus, für Entschleunigung, Entflechtung und Entweltlichung in seiner Kirche.



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Heinz-Günther Schöttler, Regensburg

Katholisch oder evangelisch: Was soll's?
500 Jahre Trennungsgeschichte bereichern!

Heinz-Günther Schöttler ist Professor für Praktische Theologie/Pastoraltheologie an der Universität Regensburg. Zuvor war er unter anderem Leiter des Theologisch-Pastoralen Instituts in Mainz, Lehrbeauftragter an der Theologischen Fakultät Trier und Gemeindepfarrer in Farschweiler-Herl. Seit 2004 ist Schöttler Dozent für Homiletik (Predigtlehre) am Institut für Jüdische Theologie der Universität Potsdam.

Im Philipperbrief (1,15-18) muss sich Paulus mit Konkurrenten auseinandersetzen. Überraschenderweise antwortet er darauf mit der schlichten Frage „Was soll’s?“. Obgleich der Apostel den Konkurrenten durchaus kritisch gegenübersteht: Er freut sich einfach, dass Christus verkündet wird, ob nun durch ihn oder durch seine Gegner.

Ist also die konfessionelle Trennung theologisch überhaupt eine wichtige Frage? Könnte man die konfessionelle Diversität des Christentums als unterschiedliche Formatierungen des Christentums verstehen, die ihre Bedeutung und Berechtigung haben? Dann wäre ‘Wahrheit’ auch in der katholischen Kirche im Plural zu deklinieren.



_______________nach oben_______________



Dr. Herbert Lindenlauf, Trier

Zwischen Gottesstaat und Glaubensfreiheit.
Wie (in-)tolerant sind monotheistische Religionen?

Herbert Lindenlauf studierte ev. Theologie, war Assistent an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal und danach über 30 Jahre als Pfarrer an Berufsschulen und in der Erwachsenenbildung tätig. Der Dialog der Konfessionen und Religionen war ein Schwerpunkt seiner beruflichen Praxis. Im Zentrum seiner wissenschaftlichen Arbeit stehen Fragen der Sozialethik, Religionspädagogik und Religionskritik.

Selbstmordattentate und die Absicht der Terrormiliz „Islamischer Staat“, mit Gewalt einen Gottesstaat zu errichten, weisen hin auf den problematischen Zusammenhang von religiösem Hintergrund und politischem Handeln.

Aus atheistischer Sicht erscheinen religiös motivierte Menschen als politisch unberechenbar, wenn nicht sogar gefährlich. Vor allem die monotheistischen Religionen – neben dem Islam also auch Juden- und Christentum – werden als intolerant verdächtigt, weil sich ihr Glaube an den einzigen Gott mit einer pluralistischen, freiheitlichen Gesellschaft nicht vereinbaren lasse. Eine Prüfung dieser Vorwürfe zeigt: Während Judentum und Christentum in ihrer Glaubensüberlieferung Elemente enthalten, die der Tendenz zum Gottesstaat Einhalt gebieten, hat der Islam solche Sicherungen noch nicht mit derselben Konsequenz ausgebildet und ist gegen die „theokratische Versuchung“ nur unzureichend geschützt. Der Vortrag geht der Frage nach, wie dieser Befund zu bewerten ist und was daraus für das christlich-islamische Verhältnis folgt.


Das vollständige Manuskript zum Vortrag finden Sie HIER



_______________nach oben_______________



Klaus Prömpers, Wien

Amerika hat gewählt - Was nun, Europa?

Klaus Prömpers ist Diplom-Volkswirt und Diplom-Kaufmann. Er war ZDF-Redakteur in Bonn, Korrespondent in Brüssel für Außen- und Sicherheitspolitik, Studioleiter in Wien für Südosteuropa und von 2011 bis 2014 Leiter des ZDF-Studios in New York. Seitdem ist er freier Journalist in Wien (Südosteuropa).

Nach einer Serie verlorener Kriege in Vietnam, Afghanistan, Irak und dem Einflussverlust im Nahen und Mittleren Osten konzentrieren sich die USA auf ihre Nation. Das liegt nicht nur an den offensichtlichen Defiziten der US-Handelspolitik, Ursache ist auch die unzureichende Kooperation Europas. Die EU erweist sich als unfähig, eine gemeinsame Außenpolitik zu formulieren, die den Anspruch der Wertegemeinschaft einlöst. Ab 2017 werden sich die USA stärker auf die Sicherung ihrer eigenen Zukunft konzentrieren. Wenn es nicht gelingt, ein Handelsabkommen (TTIP) mit Europa abzuschließen, werden die USA die ohnehin vorhandenen Handelsströme mit Asien und Lateinamerika ausbauen. Das rohstoffarme, technologisch zurückfallende Europa wird weniger wichtig für die USA. Dies kann wegen möglicher Aggressionen eines erstarkenden Russlands zu einer verschärften Ost-West-Auseinandersetzung in der EU führen. Sehen sich doch die ehemaligen Mitglieder des Warschauer Paktes eher im Verbund mit den USA abgesichert als in dem des alten Westeuropas.

Das Manuskript des Referenten finden Sie HIER



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Annette Treibel, Karlsruhe

Integration ins Einwanderungsland Deutschland
– ein Projekt für alle

Annette Treibel studierte Politikwissenschaft, Germanistik und Sozialwissenschaften. Seit 1996 ist sie Professorin für Soziologie am Institut für Transdisziplinäre Sozialwissenschaft der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Migration und Geschlechterforschung gehören zu ihren Arbeitsschwerpunkten.

Annette Treibel analysiert in ihrem Vortrag Alltagssituationen, Mediendebatten und Forschungsergebnisse zu Migration und Integration und stellt fest: Vieles ist keineswegs so klar, wie es zu sein scheint. Integration fand zwar bereits ganz unauffällig statt. Doch die Vorstellung, in einem Einwanderungsland zu leben, beunruhigt Teile der Bevölkerung sehr.

Die Referentin plädiert für eine selbstbewusste Integration, die auf Kooperation setzt und dabei weder auf Sympathie noch auf Auseinandersetzung verzichtet. Sie fordert dazu auf, Deutschland ohne Wenn und Aber als Einwanderungsland zu begreifen, und anzuerkennen, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft und mit ganz verschiedenen Migrationsbiografien hier heimisch sind. Denn: Deutsch kann man nicht nur sein, sondern auch werden. Insofern haben alle einen Integrationsbedarf – nicht nur die „neuen Deutschen“, sondern auch die „alten Deutschen“. Bei ihrem Blick auf alltägliche Begegnungen gibt Annette Treibel schließlich Anregungen für integrative Kommunikationsmöglichkeiten. Auch Humor, so ihr Anliegen, sollte dabei nicht zu kurz kommen.

Anmerkung
Zu diesem Vortrag liegt HIER ein Bericht vor.



_______________nach oben_______________



Dagmar Boedicker, München

Künstliche Intelligenz (KI) –
sind wir die Dummen?

Dagmar Boedicker
ist Journalistin und technische Redakteurin mit dem Schwerpunkt Informationstechnik (IT). Sie studierte Politikwissenschaft und befasst sich vorrangig mit den ethischen, rechtlichen und sozialen Folgen der IT für die Gesellschaft, insbesondere die Arbeitswelt. Sie ist Mitglied im Beirat des Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF e.V.).

Die Träume der Propheten künstlicher Intelligenz aus den 1970ern erfüllen sich. Speicher- und Rechenkapazitäten der Computer sind seit damals so rasant gewachsen, dass Bastler heute für weniger als 1000 Dollar ein Deep-Learning-System bauen können. Systeme lernen, Rechner treffen Entscheidungen aufgrund von Mustern, selbstlernende Maschinen auf der Basis neuronaler Netze können intelligent erscheinen. Wie funktioniert KI eigentlich? Wem soll sie dienen und welche Folgen hat sie für unseren Alltag, unsere Arbeits- und Wohnverhältnisse, die Lebensverhältnisse und alle sozialen Bereiche?

Verantwortung löst sich auf, wo Maschinen Entscheidungen treffen. Denn diese sind kaum auf menschliches Verhalten zurückzuführen. Ethische Fragen bleiben, wie die, ob menschliche Grundwerte sich gut genug definieren lassen, um sie als Ziele, Anforderungen und Regeln für die KI-Entwicklung festzulegen. Dagmar Boedicker beleuchtet diese technischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekte und fragt, welche Gestaltungs-Optionen die Gesellschaft hat und wo unsere Verantwortung liegt.



_______________nach oben_______________



Prof. Dr. Friedhelm Mennekes,S.J., Frankfurt

Leere Kirche ohne Kunst –
als Architektur des Fragens

The White Mass (1995) von J.L. Byars
als Prinzip spiritueller Erneuerung

Prof. em. Dr. Friedhelm Mennekes, Jesuit, Theologe, Soziologe, war Professor für Praktische Theologie und Religionssoziologie an der Hochschule St. Georgen in Frankfurt/M. Er hat sich seit den 80er Jahren mit moderner Kunst einen internationalen Ruf erworben. 1989 gründete er die Kunst-Station Sankt Peter in Köln. Seit 2008 lehrt er im Winter als Gast am Kunsthistorischen Institut der Uni Bonn und im Sommer an der ETH Zürich Architektur.

Mennekes ist ein Grenzgänger zwischen Kirche und Kunst. Häufig gab es Konflikte wegen der von ihm initiierten Ausstellungen. Unbeirrt suchte er den Dialog zwischen moderner Kunst und Religion. Zweifel sind im Glauben immanent. Der Zweifel spielt auf der Kanzel wie im Alltag der meisten Gläubigen eine untergeordnete Rolle. Umso mehr und umso systematisierter ist er in der Kunst zu Hause. Hier geht er bis in die Mitte, bis an den Zweifel an sich selbst, den Zweifel an der Kunst.

Was moderne Kunst für Religion und Glaube bedeuten kann, möchte der Referent an einem Beispiel aufzeigen: Ohne Zweifel war die radikalste Überkreuzung von autonomer Kunst und Glaube die Installation The White Mass des US-Künstlers James Lee Byars (1932-1997). Sie suchte ohne Umschweife das spirituelle Leben der Gläubigen. Byars setzte The White Mass mitten in den liturgischen Raum und konfrontierte die sakrale Handlung mit geometrischen Formen der Frage nach dem Raum, nach dem Denken, nach der Hingabe und nach dem Tod. Die Kirche war entleert, alle Kunst in Fenstern und Bildern mit Tüchern verhüllt. Die Installation allein ist vom gleißenden Licht einer 2000-Watt-Lampe wie von innen strahlend erleuchtet; die weiß gekleideten Liturgen wie von außen.



_______________nach oben_______________



Gertrud Casel, Bonn

Deutsche Waffenexporte –
eine friedenspolitische Bankrotterklärung


Gertrud Casel, in Trier aufgewachsen, arbeitet seit 15 Jahren bei Justitia et Pax und der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE). Acht Jahre war sie im Bundesfamilienministerium tätig. Sie wirkte als Vorsitzende des Bundes der katholischen Jugend Deutschlands und als Generalsekretärin der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands.

Deutschland gehört zu den fünf größten Waffenexporteuren, obwohl in Deutschland strenge Restriktionen für den Export von Kriegswaffen und Rüstungsgütern gelten. Warum hält sich die Bundesrepublik Deutschland mit ihrer Genehmigungspraxis nicht an ihre eigenen Grundsätze? Die GKKE sieht in diesem seit Jahren anhaltenden Widerspruch die friedenspolitische Glaubwürdigkeit Deutschlands beschädigt und fordert ein neues Rüstungsexportgesetz, das u.a. mehr Transparenz, mehr öffentliche und parlamentarische Kontrolle gewährleistet. Die Weitergabe von Gewaltmitteln ist ethisch so zu betrachten wie die Androhung oder Anwendung von Gewalt. Gerade Christen sind aufgerufen, auch in diesem Politikfeld dem Leitbild eines Friedens durch Gerechtigkeit zur Geltung zu verhelfen.



_______________nach oben_______________